Fortsetzung:

Im Jahr 1930 hat die Gemeinde eine Gemarkungsfläche von  1625 Hektar, davon sind:

876 ha Ackerfläche.

195 ha Wiesen.

496 ha Wald.

   5 ha Gräben.

   6 ha Haus und Hofflächen.

 30 ha Wege.

Auch ist die Inflationszeit  mit Geldentwertung und Arbeitslosigkeit, in den 20. Jahre nicht an Ulfen vorübergegangen, so gibt es 1931 noch 44 Erwerbslose mit 23 Angehörigen, sowie 3 Wohlfahrsempfänger. Für die Mittellosen wird Armenunterstützung in Höhe von 10 RM monatlich gezahlt. Arbeitslose werden zum Holzeinschlag im Gemeinde- und Interessentenwald herangezogen. Auch muß die Gemeinde für die Arzt- und Krankenhauskosten von Unbemittelten aufkommen. Die politischen Veränderungen der Zeit sind auch nicht zu übersehen, so haben die Nationalsozialisten auch in Ulfen Anhänger gefunden, Aufmärsche in SA- Uniform und Ähnliches werden veranstaltet. Doch nicht alle sind mit dieser neuen Zeit einverstanden, es gibt Meinungsverschiedenheiten und Reibereien in deren Folge der Männergesangverein bereits 1933 seine Übungsstunden einstellt. Wie weit die Partei das Leben im Dorf beeinflußt, kann man daran erkennen, daß Fuhren für Notstandsarbeiten nur noch an Bauern vergeben werden,welche sich im nationalsozialistischen Sinn betätigt haben. Berufungen von Beigeordneten für das Gemeindeparlament können nur noch mit Zustimmung der NSDAP erfolgen. Sogar der Termin für die Kirmesfeier 1935 wird von der Partei auf den3. Sonntag im Oktober festgelegt. Die Bewohner im Kreuzchen  beantragen 1934 den Bau einer Brücke über den Alte Weißt, was aber von der Gemeindevertretung wegen der Kosten von 10000,- RM ,welche nicht aufgebracht werden können, abgelehnt wird. Der Haushaltsplan 1935 beträgt gerade einmal 20195,-RM und Kreditaufnahmen sind verboten. Auch als Notstandsmaßnahme war der Brückenbau nicht durchzuführen, da wohl Arbeitslose , aber keine Facharbeiter vorhanden waren. Eine Volksbücherei wird eingerichtet, die Lsegebühr je Buch beträgt 5 Pfg. für 3 Wochen. Der Ortsdiener erhält eine Lohnerhöhung, die seinen Verdienst von 26,50 RM auf 31,50 RM monatlich steigert. Erstmals finden Beratungen über den Bau und die Finanzierbarkeit einer Kalanisation in der Gemeinde durch die Gemeindevertreter statt. 1937 wird Wegebau  im Hand und Spanndienst durchgeführt, wobei jeder Bürger eine bestimmte Anzahl von Stunden unentgeldlich arbeiten mußte. Ein Wettbewerb unter dem Titel, „Pflege und Schönheit des Ortsbildes und der Landschaft“ wird durchgeführt und durch einen Ortsbewertungsauschuß bewertet. In der Gemeinde wird ein Obstbaumwärter ausgebildet und angestellt, die Arbeitslosen werden jetzt weniger, denn der Autobahnbau in Deutschland ist angelaufen und alle Arbeitslosen werden dienstverpflichtet. Die Straße von Ulfen zum Erdmannshain wird 1938 von Kilometer 0,476 - 1,640 vom Staat an die Gemeinde übergeben. Über den An- oder Neubau einer Schule in Ulfen wird beraten und vom Landrat und von der Regierung wird ein Neubau beführwortet. Die Kosten sollen 85000,- RM betragen, wovon die Gemeinde 30000,- RM tragen muß´. Ein Bauplatz in der Stiegel ist vorhanden, doch zur Bauausführung kommt es leider nicht mehr. Im Zuge der allgemeinen Mobilmachung 1939 und dem Ausbruch des Krieges gegen Polen, wurden zahlreiche junge Männer zur Wehrmacht einberufen und an die Front geschickt. Da dringliche Arbeiten am Wegenetz usw. nicht mehr ausgeführt werden konnten, verfügte der Gauleiter , daß westliche Kriegsgefangene von den Gemeinden zu Arbeiten im Dorf und auf den Höfen angefordert werden konnten. Daraufhin wurden französische Kriegsgefangene im Saal der Gastwirtschaft Schneider an der Linde, untergebracht. Von dort wurden sie jeden Morgen  zur Arbeit auf die einzelnen Höfe verteilt, bei Kleinlandwirten wurden sie auch stundenweise eingesetzt. Beaufsichtigt wurden sie von Gefangenenwärtern und dem Dorfpolizisten, welcher nicht immer sehr human mit den Gefangenen umging, weshalb er nach Kriegsende auch von den Amerikanern verurteilt und in ein Internierungslager gebracht wurde. 1944 wurde der Ortspfarrer Hilmes verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht, wo er bis zum Kriegsende verbleiben mußte, da er sich mehrmals kritisch über die Partei und den Krieg geäußert hatte. Als die Front näher rückte, waren auch immer öfter feindliche Flieger am Himmel zu sehen und bei Luftkämpfen mit deutschen Jagdflugzeugen  stürzten insgesamt 7 Flugzeuge in der Gemarkung Ulfen ab. Zwei davon waren deutsche Jagdflieger, die getöteten  Piloten wurden auf dem Friedhof begraben, die Amerikaner überführten ihre Toten nach Kriegsende nach Amerika. Im April 1945 rückten amerikanische Truppen in Ulfen ein und bezogen Quartier. In den meisten Scheunen standen die großen Panzer, es gab Ausgangssperren, der Bürgermeister und der Ortspolizist wurden verhaftet und in ein Internierungslager gebracht. Der Krieg war zu Ende, aber welche Opfer hatte er gefordert, 45 Ulfer Männer fielen an der Front und 20 wurden als vermißt gemeldet. Bereits zu Beginn des Krieges kamen Umsiedler aus dem Saarland nach Ulfen und während des Krieges mußten dann Ausgebombte aus Kassel und anderen Städten untergebracht werden. So waren auf dem Erdmannshain zeitweise ganze Schulklassen einquartiert. Dann kamen die ersten Flüchtlinge aus dem Osten, und die Heimatvertriebenen in das Dorf. Sie hatten teilweise nur noch was sie tragen konnten als ihr Hab und Gut und kamen hier in ein fremdes Land, während ihre Männer, genau wie die Ulfer als Kriegsgefangene in der ganzen Welt verstreut waren.Diese Menschen kamen aus Ostpreußen , aus Schlesien, dem Sudetenland und anderen Teilen der Tschecheslowakei, aus Ungarn, Serbien, dem Banat und Siebenbürgen und hatten zum Teil Schreckliches auf ihrer Flucht und Vertreibung erlebt. Alle mußten im Dorf untergebracht und in der Gemeinschaft integriert werden. Dadurch wuchs auch die Einwohnerzahl in Ulfen auf bis zu 1000 Personen an. So langsam normalisierte sich das Leben im Dorf wieder, die ersten Männer kehrten aus der Kriegsgefangenschaft zurück, aber es sollte noch Jahre dauern bis auch die  Letzten wieder zuhause waren. Wo waren sie während des Krieges überall im Einsatz, sie kämpften in Polen, in Frankreich, Italien, Ägypten, Lybien, auf dem Balkan, Rußland bis an den Ural und vor Moskau, in Finnland und Norwegen. Doch in der Gefangenschaft ging es dann noch weiter fort von zu Hause, bis nach Sibirien, Amerika und England. Auch der neue Pfarrer Albert Schlenker, kam nach Gefangenschaft und der Flucht seiner Familie aus Siebenbürgen zunächst nach Breitau und 1947 nach Ulfen. 1946 wurde Deutschland  in 4 Besatzungszonen aufgeteilt, Hessen gehörte zur amerikanischen Zone. Die Grenze zur Ostzone, von den Russen besetzt , war die Werra, später wurde diese Grenze zum eisernen Vorhang ausgebaut und verschwand erst im Jahr 1990 mit der Wiedervereinigung Deutschlands. Der Gastwirt Karl Geyer wurde von den Amerikanern kommisarisch zum Bürgermeister ernannt, der Schuldienst wurde wieder aufgenommen. Die Versorgung der Einwohner mit Lebensmittel und anderen Gebrauchsgegenständen wurde wie in den Kriegsjahren mit Lebensmittelkarten und Berechtigungsscheinen sichergestellt. Der Schwarzmarkt blühte und wer noch irgend etwas zum tauschen hatte, war unterwegs um zu organisieren. Der Fuhrunternehmer Meister aus Wichmannshausen hatte eine Buslinie von Herleshausen nach Eschwege eingerichtet, diese Busse fuhren noch mit Anhänger und waren immer überfüllt. Nach Sontra konnte man Frühmorgens mit dem Milchauto fahren, hinten auf den Kannen und im Winter wurde dann näher an den Holzvergaserkessel gerückt mit dem das Auto angetrieben wurde. Auch mit dem Postauto konnten bis zu 4 Personen nach Sontra gelangen .Da Tabak Mangelware war, wurden in den meisten Gärten Tabakpflanzen angebaut, nach der Ernte getrocknet und zu Zigaretten weiterverarbeitet. Diese Eigenbauzigaretten wurden für 1 RM gehandelt oder für andere Sachen eingetauscht. Auch die Schnapsbrennerei wurde von den Burschen des Dorfes recht fleißig betrieben, es war zwar verboten und in den selbstgebauten Geräten aus Milchkannen und Ähnlichen recht abenteuerlich, aber es wurden zum Teil recht gute Schnäpse aus Zuckerrüben, Kartoffel, Getreide und Früchten gebrannt, und die beiden Dorfpolizisten waren in den Nächten öfters zum  Schnapsabschmecken als zur Wache unterwegs. Auch lieferte der mittlerweile im Dorf ansässige Apotheker die passenden Essenzen, so daß auch Liköre gefertigt wurden. !946 kam dann die Arztfamilie Morschevsky nach Ulfen und eröffnete hier eine Praxis. Sie wohnten zuerst auf der Meierei, dann in der alten Schule und schließlich, nach dem Bau eines Arzthauses durch die Gemeinde 1949 in der Stiegel. Der Bau dieses Hauses wurde schon 1946 beschlossen, aber es bedurfte vieler Anstrengungen, wie Spendenaktionen, Tauschgeschäfte Holz gegen Zement und ähnliches um in dieser Zeit zu bauen, die Endkosten betrugen dann 42000,-Mark. Der Apotheker Hotzel hatte eine Zweigstelle der Sontraer Apotheke Haas eröffnet, ein Zahnarzt Dyba praktizierte im Nebenzimmer der Gastwirtschaft Stauffenberg. Im Winkel wohnte der Tierarzt Zander und in der Baumecke hatte der Photograph Eisel sein Atelier. Die Gasthäuser Geyer, Stauffenberg und Schneider hatten geöffnet, die Kaufläden Geyer, Schneider und Liese lieferten alles für das tägliche Leben und die Meztgerei Stauffenberg bekam ihren Bedarf an Fleisch und Wurstwaren von der Metzgerei Bebendorf aus Richelsdorf, da der Sohn noch in der Lehre war  und daher nicht selbst schlachten konnte. Es gab eine Schmiede im Dorf, 4 Schreinereien, 1 Wagner und Stellmacher, 5 Schuhmacher, 1 Schneider, 1 Sägewerk mit Zimmereibetrieb, 1 Baugeschäft und in der Blinden Mühle wurde noch Mehl gemahlen, sowie auf einem wassergetreibenen Gatter Holz geschnitten. Da viele der Neubürger katholischen Glaubens waren, kam auch ein katholischer Pfarrer, Namens Saplethal nach Ulfen. Die katholischen Gottesdienste fanden erst in der evangelischen Kirche und später im umgebauten Saal der Gastwirtschaft Schneider  statt. Am 19. März 1946 wurde der Maurer Georg Range zum neuen Bürgermeister von Ulfen gewählt und ihm die Gemeindevertreter Martin Schmidt, August Iba, Karl Saam, Heinrich Stunz, Georg Siebert, August Moog, Karl Siebert, Heinrich Liese und Otto Schüler zur Seite gestellt. Als Aufwandsentschädigung bekam der Bürgermeister jährlich 1400,-RM, dazu 200,. RM für Heizung, Miete und Strom. Der Gemeinderechner erhielt jährlich 700,-RM und 100,-RM für die Nebenkosten, eine Schreibhilfe erhielt 300,- RM jährlich. Der Ortsdiener erhielt 520,- RM im Jahr, dafür mußte er die Bekanntmachungen tätigen, das Wasserleitungsnetz überwachen und den Hochbehälter reinigen. Für das Reinigen der Schulen gab es je Schulraum 100,- RM jährlich. Die Vatertierhaltung für Schweine wird von der Gemeinde an Privat abgegeben und der Landwirt Martin Schmidt verpflichtet, einen Eber auf die Dauer von 5 Jahren zu halten. 1947 wird auf Grund der hohen Schülerzahlen eine 3. Lehrkraft angestellt. Die Turnhalle, im Krieg beschädigt und vom Turnverein in Eigenleistung wieder instandgesetzt, wird von der Gemeinde übernommen, da die laufenden Kosten zur Erhaltung, für den Verein zu groß sind. Es wird Wassergeld in der Gemeinde erhoben, für jeden Hausanschluß 5,-RM, Pferde und Rinder über 1 Jahr 60Pfg., unter 1 Jahr 30 Pfg, Schweine und Ziegen 20 Pfg, und Schafe 10 Pfg. jährlich pro Stück. Schon ein Jahr später wird der Wasserpreis um 100%erhöht, der Jahresetat im  Haushaltsplan 1947 beträgt 38295,-RM. Ein neuer Wegewärter wird von der Gemeinde angestellt, er erhält jährlich 1500,-RM Lohn, dazu die Grasnutzung im Rittershäuser Graben, 1 Fuhre Streuzeug und 14 Tage Urlaub jährlich. Wohlfahrtsempfänger werden von der Gemeinde zu Pflichtarbeiten  herangezogen und bei der Gemeindewahl 1948 werden erstmals 2 Flüchtlinge, als Vertreter der Neubürger in das Gemeindeparlament berufen. Am 4. 7 1948 findet die Währungsreform statt, jeder Bürger erhält 40 Deutsche Mark, damit hat die alte Reichsmark aufgehört zu exestieren. Während bisher alles Mangelware war und nur gegen Bezugsschein zu kaufen war, sind die Läden plötzlich gut gefüllt und fast alles erhältlich. Der Stundenlohn für einen Arbeiter im Straßenbau beträgt 80 Pfg, die Lebensmittelkarten werden im Laufe der Zeit abgeschafft und am 3. und 4. Oktober 1948 wird die erste Kirmes nach dem Krieg in der Turnhalle und bei Geyers auf dem Saal gefeiert.Zu Weihnachten sind alle Tanzbelustigungen im Dorf untersagt, da bei den Rinderbeständen die Maul und Klauenseuche ausgebrochen ist.

Im März 1949 wird Herr Heinrich Rehm , seit 1905 Lehrer in Ulfen in den Ruhestand verabschiedet. Simon Löffler vom Erdmannshain baut bei der Untermühle ein neues Wohnhaus, es ist der erste Neubau nach dem Krieg neben dem Arzthaus. Die Straße im Rimbach und die Furten durch den Alte Weißt in der Schmiedegasse und zur Kemmenate werden im Hand und Spanndienst ausgebaut. 1950 werden wieder Beratungen für einen Schulneubau von der Gemeindevertretung angestellt. Um Rücklagen zu schaffen, wird die Grundsteuer A und B um 50% erhöht. Auch werden zwei neue Glocken für die Kirche angeschafft, als Ersatz für die im Krieg eingeschmolzenen Glocken. Der Malermeister Wilhelm Liese hatte einen Glockenverein gegründet und in kurzer Zeit 4675,75 DM gesammelt. Die neuen Glocken wurden am 5. 3. 1950 feierlich in Empfang genommen und unter Mitwirkung der ganzen Gemeinde im Kirchturm aufgehangen, seitdem hat die Ulfer Kirche wieder ein Dreiergeläut. Bis 1952 haben viele der Neubürger von Ulfen, Arbeit im Frankfurter Raum gefunden, die Männer bleiben die ganze Woche fort und die Frauen helfen größtenteils in der Landwirtschaft hier in Ulfen, aber auch nur noch bis die Männer Wohnungen für ihre Familien gefunden haben. Auch von den Ausgebombten ziehen die Ersten wieder zurück in die Städte. Simon Löffler baut am Riedweg beim Siffenborn ein neues Forsthaus und kauft vom Land Hessen das Forstgut Erdmannshain. Das alte baumbachsche Gutshaus wird abgerissen und ein moderner Aussiedlerhof entsteht. Die Gemeindeschwester Kläre wird in den Ruhestand verabschiedet und die Gemeindeschwesternstation geschlossen. Für den Bau einer Ortskanalisation werden erste Vorbereitungen durch das Architekturbüro Bechtel aus Bebra getroffen. 1954 wird der Bau einer neuen Schule im Ettich beschlossen, aus diesem Grund werden von Landwirt Martin Görk 16ar Land gekauft, der qm für 2 DM. Die von den Amerikanern während des Krieges über Deutschland abgeworfenen Kartoffelkäfer, weche die deutsche Volksernährung schwächen sollte, sind mittlerweile zu einer echten Plage geworden, alle Landbesitzer müssen wöchentlich ihre Felder nach den Schädlingen absuchen und diese vernichten. Auf dem Alheimer bei Rotenburg wird die Kreisgedächtnisstätte für die Kriegsopfer der beiden Weltkriege wiederhergestellt und jeder Einwohner des Kreises muß dafür 5 Pfennige spenden, dieses Geld wird aus der Gemeindekasse bezahlt. Auch an den Brandschutz wird gedacht und so bekommt die freiwillige Feuerwehr Ulfen ihre erste eigene Motorspritze. Der Bau der neuen Schule kann beginnen und die Arbeiten an die einzelnen Handwerksbetriebe vergeben, die Maurer und Putzarbeiten macht die Fa. Fesch aus Ulfen, die Zimmerarbeiten die Fa. Apel, Ulfen, Dachdecker und Klemptnerarbeiten, Fa.Lehmann Sontra, Installation Fa. Frank, Sontra, Malerarbeiten Kurt Range Ulfen, Glaserei Witzel Bebra,  Elektriker Fa. Fischbach Sontra, sowie die Schreinerarbeiten August Iba aus Ulfen. Der Kostenvoranschlag für die neue Schule beträgt 84474, 72 DM. Im Jahr 1955 wird an das Feuerwehrgerätehaus ein Schlauchtrockenturm angebaut, der Schützenverein baut im Ufelsgraben einen Schießstand und das Kriegerdenkmal 1870/71 in der Baumhecke wird wieder instandgesetzt. Dieses Denkmal wurde später beim Staßenneubau auf den Friedhof, hinter die Soldatengräber umgesetzt. 1956, Immer häufiger herrscht in den höhergelegenen Ortsteilen akuter Wassermangel, die Quelle im Hersfelder Grund schüttet zwar reichlich Wasser, jedoch sind die Rohre verkalkt, sodaß nicht mehr genug Wasser durchfließt. Um immer genug Wasser im Hochbehälter zu haben, muß die Zuleitung schnellstens erneuert werden. Die Planungen für die Kanalisation in der Ortslage sind abgeschlossen, das Baugeschäft Fesch hat ein Angebot in Höhe von 142639,-DM abgegeben. Die Gemeindevertretung setzt die Anschlußgebühr auf 100,-DM für jeden Anschluß fest, sowie 20 Pfg. für jeden qm der Haus und  Hoffläche. Die Hauptstraße durch das Dorf wird durch das Straßenbauamt ausgebaut und geteert, 1957 stellt der Gastwirt Stauffenberg erstmals einen Musikautomaten in seinem Lokal auf, für Vergnügungsteuer muß er dafür monatlich 3,-DM bezahlen, die jedoch schon ein Jahr später auf 36,-DM erhöht wird. 1958 geht der Ortsdiener Johannes Buchenau nach 25Jahren in den Ruhestand, die Ortsschelle wird daraufhin abgeschafft und für Bekanntmachungen im Ort 3 Aushängekästen angebracht. Die Straße im Rimbach wird ausgebaut und geteert. Willi Höll kommt als neuer Schulleiter von Mönchshoßbach nach Ulfen und übernimmt auch die Leitung des hiesigen Männergesangvereins und leitet damit einen Aufschwung im Chorleben ein., später gründet er dann noch den Frauenchor Ulfen. 1959 Die alte Schule im Ettich wird für die Vereine des Dorfes und als Jugendzentrum für die örtliche Jugend freigegeben, bei der Übergabe der „Jugendstube“ wünscht sich Bürgermeister Georg Range, daß ein friedlicher Geist, die Liebe zur Heimat und die Treue zum Vaterland Einzug halten möge. 1960 stellt die Gemeinde den Antrag  eine Zweitflurbereinigung nach der Seperation von 1892/94 in Ulfen durchzuführen. Da die Friedhofsmauer in einem sehr schlechten Zustand ist, wird sie im Zuge der Friedhofserweiterung 1961 abgetragen, damit verschwindet ein Stück Geschichte von Ulfen für immer. Am 20. September 1961 findet eine allgemeine Zählung statt, danach sind in Ulfen.

490 Personen über 14 Jahre,

177 Personen unter 14 Jahre,

462 Stück Großvieh über 1 Jahr,

163 Stück Großvieh unter 1 Jahr,

575 Schweine über 8 Wochen,

36 Ziegen, 30 Schafe,

1 Metzgerei, 2 Gastwirtschaften, 1 Gewerbliche Anlage, 12 Spülklosett,

39 PKW, 3 LKW, 41 Motorräder, 48 Mobed, 42 Schlepper,

 

Da im gesamten Jahr 1961 nur noch 23 Ziegen zum Decken gebracht wurden, wird  die Vatertierhaltung für Ziegen abgeschafft. Um eine gerechte Abrechnung für den Wasserverbrauch zu gewährleisten, werden Wasseruhren in jeden Hausanschluß eingebaut, die Wasseruhr mit Einbau kostet 400,-DM. Auf Antrag des Sportvereins soll im Ettich ein Sportplatz gebaut werden und die Gemeinde Ulfen nimmt erstmals am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“des Landes Hessen teil.

Im Zuge der Flurbereinigung sollen zwei Brücken, in der Puppelgasse und an der Schmiedegasse, über den „Alte Weißt“ gebaut werden, da das Hochwasser vom 15. 4. 1961 die Fußgängerstege weggerissen hat. Der Hochwasserschaden allein in der Ortslage beläuft sich auf ca. 35000,-DM. Verwirklicht wurden die Brückenbauten erst im Jahr 1968, am Bau der Brücke in der Puppelgasse beteiligten sich die Anlieger mit je 1000,-DM. Die Gemeinde Ulfen hat beim Kreis beantragt , Standort einer Mittelpunktschule für das Ulfetal zu werden und auch Gelände für eine Schulerweiterung bereitgestellt, da sich die Nachbargemeinden im unteren Ulfetal weigern ihre Kinder nach Ulfen in die Schule zu schicken, kommt diese Maßnahme nicht zustande und der Schulleiter Lehrer Höll geht 1963 als Schulleiter an die Realschule nach Wanfried. Bei einem Gewitter hat der Blitz in dem Kirchturm eingeschlagen und einen Schaden von rund 1000,-DM angerichtet. 1962 werden im Zuge der Flurbereinigung neue Bauplätze geschaffen, um so Bauwilligen zu einem Bauplatz in Ulfen zu verhelfen. Ausgewiesen werden die Bauplätze: Breitauer Straße; Am Pfaffenrain; Im Kreuzchen und am Leibborn.Die Bauplätze werden zu einem Preis von 3,- bis 4,50 DM je qm angeboten. Um die Schmiedegasse zu verbreitern wird das alte Haus Bodenstein (Schmedden) auf der Ecke abgerissen, desgleichen das alte Haus Gerlach am Berg. Der Bau einer Kläranlage für Ulfen wird 1962 geplant und 1966 verwirklicht. Auch ist der hessische Ministerpräsident Dr. Georg August Zinn 1962 in Ulfen. 1963 eröffnet der Fahrlehrer Kohnen , aus Sontra eine Fahrschule in Ulfen. Die Gemeinde beteiligt sich mit einer kurzen Abhandlung der Ortsgeschichte und einer Ortsansicht am Heimat-Adressbuch des Kreises Rotenburg zur Förderung des Fremdenverkehrs. Im Zuge des Straßenneubaues von Ulfen nach Wölfterode muß die Blinde Mühle dem Straßenbau weichen und wird abgerissen. Im Jahr 1964 beträgt der Haushaltsplan der Gemeinde Ulfen 144500,-DM. Die Bautätigkeit in den ausgewiesenen Baugebieten kommt in Gang, einen Friedhofshalle wird errichtet, die EAM übernimmt das Ortsnetz von der Gemeinde für 16000,- DM plus 2000,-DM für Sachwerte. Die freiwillige Feuerwehr bekommt eine neue Tragkraftspritze , 200 Meter Schlauch, 10 Paar Kupplungen und weiteren Zubehör für insgesamt 11000,-DM.

 Die Raiffeisengenossenschaft Ulfen, die ihre Geschäftsräume bisher im Hause Frank , und das Lager in der Pfarrscheune hatte, baut an der Industriestrasse ein neues Lagergebäude mit Kassenraum. Die Motorisierung schreitet fort und beim Bürgermeister gehen Beschwerden über freilaufende Hühner und Gänse ein, worauf der Ersaß ergeht ,Hühner und Gänse einzusperren. Die Gehöfte Meierei und Görk am Brauwasser werden wegen des Baues einer Umgehungsstraße abgerissen und verändern somit das Ortsbild erheblich, zumal das Dorf in zwei Teile zerschnitten wird, auch das Flußbett der Ulfe wird neben die neue Straße verlegt. Durch die Umgehungsstraße bekommt Ulfen auch zwei Einfahrten, eine an der Untermühle, die Zweite wird auf dem Gelände zwischen dem Feuerwehrgerätehaus und dem Hof Gerlach gebaut, auf welchen das Haus Schwendt, bewohnt von der Familie Möller, stand. Bei den anstehenden Gemeindewahlen wird der amtierende Bürgermeister Range nach 18 Dienstjahren nicht wiedergewählt und neuer Bürgermeister wird Adam Schmidt, als jüngster Bürgermeister des Kreises Rotenburg mit 29 Jahren. Die Gebühren steigen weiter und so wird die Abwassergebühr für jeden entnommenen cm Frischwasser auf 65 Pfg.festgesetzt. 1965 wird an den Schulen in Hessen das 9. Schuljahr eingeführt, Bemühungen die Schüler der 9. Klassen des Ulfetales in Ulfen zu unterrichten scheitern, somit müssen die Kinder mit Schulbussen nach Sontra  zum Unterricht fahren.. Einige Textielbetriebe suchen in Ulfen Räumlichkeiten zur Eröffnung von Zweigbetrieben. Der Bau einer Mehrzweckhalle für Ulfen wird in Erwägung gezogen und die Gemeindevertreter besichtigen solche Objekte in der näheren Umgebung. Auf dem Burgberg wird das Burgbergsloch, ein Erdeinbruch, mit Bauschutt und Ähnlichem aufgefüllt und eingeebnet. In der Rimbachsgasse wird der Bau einer Zisterne als Feuerlöschteich geplant und 1969 gebaut. Zum Abschluß der Flurbereinigungsmaßnahme in Ulfen findet 1966 ein großes Fest  statt, bei der auch der hessische Landwirtschaftsminister Hacker anwesend ist.

1967 baut der Landwirt Georg  Siebert am Mühlberg einen Aussiedlerhof um aus der Enge des Dorfes herauszukommen. Auch der Besitzer der Meierei, Hans Linhos, dessen Hof der Umgehungsstraße weichen mußte, baut einen neuen Hof an der Bahnlinie Sontra - Hoheneich, Abzweig Mitterrode, den Ulfehof und übersiedelt nach dort. Der Autoschlosser Georg Rabe baut an der neuen  Straße eine Autowerkstatt mit Tankstelle. Am 30.Juni 1967 findet wieder eine Einwohnerzählung statt,danach leben in Ulfen 700 Personen, davon sind 373 Weiblichen Geschlechts. Das Jahr 1968 bringt für die Schule in Ulfen einschneidende Änderungen, denn ab dem Herbst gehen auch die Klassen 5 - 8 in die Mittelpunktschule nach Sontra, in der Turnhalle findet eine Bürgerversammlung statt, mit dem Ziel, eine Grundstufen Mittelpunktschule in Ulfen zu erhalten, was dann auch für die Kinder des Ulfetales verwirklicht werden kann. Von der Kreuzung Blinde Mühle wird eine neue Straßenverbindung durch den Giesenhain nach Nentershausen gebaut. Die freiwillige Feuerwehr Ulfen feiert ihr 100 jähriges Bestehen und bekommt zu diesem Anlaß, ein neues Feuerwehrauto. Zum 31. 12. 1968 ist die Einwohnerzahl von Ulfen wieder  auf 717 angewachsen.Die Gemeindevertretung berät über den Bau einer Staumauer im Rendaer Tal, um die Wassermassen der Schneeschmelze zu bremsen und gleichzeitig ein Wasserrückhaltebecken für Freizeitgestaltung und Fremdenverkehrsförderung zu schaffen. Das Wasserwirtschaftsamt führt eine Überprüfung durch und kommt zu dem Ergebnis, daß eine solche Maßnahme wegen der wasserdurchlässigen Gesteinsschichten nicht möglich ist. Die Familie Bodenstein verkauft 1969 ihren Hof Hasengarten an die Familie Ganske, vom Gut Hohenhaus, diese läßt den Hof nach einigen Jahren abreißen. Heute erinnert nur noch ein kleiner Teich an diesen Hof, der schon um 1300 im Besitz derer von Baumbach war.

Das Jahr 1970 bringt für die Gemeinde Ulfen die größten Veränderungen in seiner Geschichte. Im Zuge der vom Land Hessen eingeleiteten Verwaltungsreform, bemüht sich das Gemeindeparlament von Ulfen, durch intensive Gespräche mit den Bürgermeistern der Nachbargemeinden, in Ulfen den Sitz für eine Großgemeinde für das Ülfetal, einschließlich Grandenborn und Renda zu schaffen, leider sind auch diese Bemühungen an der Ablehnung der Nachbargemeinden gescheitert, sodaß die Gemeinde Ulfen zum 31. 12. 1970 ihre Selbstständigkeit aufgegeben hat und in die Großgemeinde Sontra eingegliedert wurde. Der Bürgermeister wurde nun zum Ortsvorsteher und die Gemeindevertreter  zu Ortsbeiräten. Durch die Gebietsreform wurden auch die Landkreise neu eingeteilt und Ulfen kommt mit der Großgemeinde Sontra zum Werra-Meißnerkreis. Auch die Schule geht an die Verwaltung des Landkreises über. Obwohl durch die Ausweisung von neuen Bauplätzen auch neue Bürger nach Ulfen kommen, hat sich die Einwohnerzahl bei 720 Personen eingependelt. Der Verkehr auf der mittlerweile zur B400 aufgewerteten Ost - West - Verbindung Kassel-Eisenach hat stark zugenommen, besonders nach der Grenzöffnung und der Wiedervereinigung Deutschlands, sodaß mit dem Bau einer Autobahn  durch das obere Ulfetal schon bald begonnen werden wird. Ob durch den Bau einer Autobahnauf und Abfahrt dem Dorf  neue Inpulse gegeben werden, wird sich in den nächsten Jahren herausstellen.

Ulfen ist auch heute im Jahr 2000 eine sehr aktive Gemeinde, in welcher der Sitz der Grundstufen -Mittelpunktschule und der zentrale Kindergarten für das Ulfetal seinen Sitz hat.

Ulfen hat eine gute Infrastruktur und hat im Ort, einenEinkaufsmarkt, Autowerkstatt mit Tankstelle, Bäckerei, Metzgrei mit Partieservize, zwei Gasthäuser, zwei Schreinereien, ein Baugeschäft,  ein  Heizungs- und Installationsgeschäft, mit Haushaltswarenladen, einen Blumen und Floristikladen und  einen Getränkemarkt. Die Raiffeisenbank Hersfeld - Rotenburg, sowie die Kreissparkasse Eschwege haben eine Filiale im Ort. Im gemeindeeigenen Arzthaus werden von einem Sontraer Arzt zweimal wöchentlich Sprechstunden abgehalten. Auch hat Ulfen ein sehr reges Vereinsleben, mit der freiwilligen Feuerwehr, dem Männergesangverein, dem Frauenchor, dem Landfrauenverein, der Blaskapelle „Ulfener Jungs“, den Schützenverein, dem Jugendzentrum, Kegelverein, Angelvereinen mit vereinseigenen Fischteichen, sowie dem Sportverein TSV-Ulfegrund, mit seinen Sportanlagen und Turnhalle im Ettich, dürfte für jeden etwas dabei sein. .Bei der Obermühle wurde eine große Reitsporthalle gebaut und auch im Dorf werden wieder zunehmend Pferde gehalten,überwiegend für den Reitsport, sodaß wieder über 30 Pferde im Dorf sind.

Ulfen ist Muttergemeinde des Kirchspiels Ulfen mit den Filialgemeinden Blankenbach und Wölfterode. Auch verfügt Ulfen. über gute Busverbindungen nach Eschwege, Herleshausen, Sontra und Blankenbach.

Ulfen feiert vom 8. - 11. September 2000 sein 1225 jähriges Bestehen.

Dies gibt uns den Anlaß, dieses Jubiläum gebührend zu feiern, sowie die Geschichte und die Vergangenheit unseres Dorfes einmal zu durchleuchten.

1225 Jahre sind eine lange Zeit in der viele Generationen, Lebensmut und Kraft bewiesen haben. Durch Kriege und Not, in schlechten Zeiten hart geprüft, haben die Bewohner dieses Dorfes immer wieder Willenskraft bewiesen und Zerstörtes wieder aufgebaut. So ist Ulfen heute ein Dorf, das auch für die Zukunft anbietet, eine bedeudente Rolle im Zusammenleben mit unseren Nachbargemeinden zu spielen.

Waren es früher die Dorfschulzen, welche die Geschicke des Dorfes lenkten, so ging dieses Amt dann auf die Bürgermeister über.

Im folgenden eine Auflistung der Amtsinhaber von Ulfen.

1724    -   1733 ?                 Georg Liese

1764?  -   1773                    Johann Peter Frank

1774    -   1786                   Johann Peter Gerlach

1787    -   1801                   Johannes Frank

1802    -   1831                   Henrich Leister

1832    -   1835                   Henrich Siebert

1836    -   1848                   Henrich Leister    zum 2. mal

1848    -   1850                   Henrich Siebert    zum 2. mal

1850    -   1881?                 Johannes Gerlach

1891    -   1909                   Christian Bodenstein

1909    -   1924                   Georg Baumgardt

1924    -   1931                   Konrad Heinrich Hoßbach

1931    -   1933                   Heinrich Karl Frank

1933    -   1945                   Johannes Martin Linhos

1945,kommisarisch            Karl Jakob Geyer

1945    -   1964                   Georg Range

1964    -   1970                   Karl Adam Schmidt

 

Ortsvorsteher,

1971    -   1979                   Karl Adam Schmidt

1979    -   1985                   Kurt Heinrich Range

1985    -   1997                    Manfred Manns

1997    -   2011                    Hermann Bodenstein

2011    -   heute                   Michael Stein

 

Fortsetzung folgt ......

Wer nicht warten möchte= Herr Eduard Michael hat noch ein paar Exemplare dieser Chronik-Bücher zu verkaufen.

Fortsetzung:

Einige Männer aus Ulfen waren auch im Richelsdorfer Gebirge im Bergbau beschäftigt. Als die Kupfer und Nickelvorkommen zu Ende gingen, traten an die Stelle der Bergleute die Leineweber. In fast jedem Haus stand ein Webstuhl, um einen kleinen Nebenverdienst zu haben.

 

Die Reformationszeit und der Bauernkrieg in nahen Thüringen gingen fast spurlos an Ulfen vorbei. Mit Beschluß der Synode 1526 in Homberg wurde in Hessen die Reformation eingeführt. Bereits 1527 war das Ulfetal reformiert. Zu Beginn des dreißigjährigen Krieges blieb Ulfen lange Zeit von den Kriegsereignissen verschont, während das Netratal und der Ringgau von den Truppen des kaiserlichen Heerführers Tilly, welcher in Eschwege sein Hauptquartier hatte, überfallen und geplündert wurden. In Grandenborn wurden etliche Männer, die sich zur Wehr setzten, getötet, aber noch schlimmer war der Ausbruch der Pest. Von Juli bis Oktober 1626 starben in Grandenborn über 150 Menschen. Auch die Dörfer im Ulfetal blieben von dieser Seuche nicht verschont, leider liegen hierüber keine Angaben vor.

 

Durchziehende Heerhaufen und der nachlassende Handel auf den Straßen ließen erahnen, was im Lande Schreckliches geschah. Doch dann kam der Spätherbst 1634, die Ernte war eingebracht, die Wintersaat war auf den Feldern ausgesät, als die Kunde kam, daß die Kaiserlichen Soldaten wieder in Hessen waren. Die Kroaten, die als die raublustigsten Soldaten des Kaisers galten, lagerten wieder an der Werra bei Eschwege und Gerstungen. Als der hessische Landgraf mit einem starken Reiterkorps anrückte, zogen die Kroaten wieder ab, nicht ohne vorher Sontra und die umliegenden Dörfer in Schutt und Asche zu legen. In der Christnacht 1634  plünderten, raubten und mordeten sie und machten diesmal auch vor Ulfen nicht halt. Der Hasengarten wurde überfallen, die Blinde Mühle zerstört und im Dorf selbst standen auch die meisten Häuser in Flammen. Wieviele Kroaten im Dienst des Kaisers standen, läßt sich nur erahnen, denn 1634 ließ in der Christnacht 1634 ein Major von Herda in Sontra 16 Mordbrenner in die Flammen werfen. Der Obrist Berghöfer tötete in Hessisch -Lichtenau mit seinen Truppen 200 Kroaten, und Graf von Eberstein besiegte im April 1635 bei Obersuhl eine kroatische Abteilung,wobei 1200 Mann, einschließlich ihres Obristen Illu den Tod fanden.

 

Die meisten Bewohner von Ulfen hatten sich mit dem Vieh und etwas Hausrat in die Wälder des Rendaer Tales geflüchtet. Auch der Pfarrer Bornemann war mit ihnen geflüchtet. Er hatte das kostbare Abendmahlsgeschirr der Ulfer Kirche dabei, wovon der Kelch von 1511 noch heute im Pfarrhaus aufbewahrt wird. Bis zum Frühjahr 1635 blieben die Kroaten in Ulfen und als sie im April abzogen, wollten sich die jungen Burschen des Dorfes an ihnen rächen. Hans Fritzen von der Blinden Mühle und die Gebrüder Hans und Curt Pippart von der Herberge an der Linde, legten sich hinter der Blinden Mühle, unter dem Keudelsberg in den Hinterhalt. Als die Nachhut der Kroaten an ihnen vorüberzog, erschossen sie einen Wachtmeister und verwundeten einen Offizier, der aber mit seinen Begleitern entkam. Doch es mußte auch ein Verräter im Dorf gewesen sein, denn als die Kroaten 10 Jahre später wiederkamen, kannten sie die Namen der Schützen. Obwohl immer Wachen aufgestellt waren, konnten sie im November 1644 , Hanß Pippart, der zu dieser Zeit verheiratet war und auf dem Hasengarten lebte, gefangen nehmen und ihn am 5. November 1644 erschießen. Im Kirchenbuch steht geschrieben, “Hanß Pippart, so von den kaiserlichen Soldaten erschossen“. Auf der Suche nach seinem Bruder Curt bedrohten die Kroaten auch die Eltern der Brüder und schlugen dabei mit den Säbel in den Tisch der Herberge. Diese Tischplatte ist auch heute noch in der ehemaligen Herberge vorhanden. Zu Pfingsten 1646 umstellten die Soldaten die Kirche, in welcher Abendmahl gehalten wurde, holten Curt Pippart heraus und erschossen ihn an der Friedhofsmauer. Am 4. November 1647 konnten die Kroaten dann auch Hanß Fritzen von der Blinden Mühle gefangen nehmen und erschossen ihn wie vordem seine beiden Kameraden.

 

Dieses war dann auch das letzte mal, daß die Kroaten im Dorf waren, aber wie sah das Dorf aus. Nach dem 30 jährigen Krieg sind in Ulfen noch 16 Häuser bewohnbar, die Kirche ist beschädigt, das Pfarrhaus und die Schule sind wie die meisten Gebäude niedergebrannt. Noch im Jahre 1634 hatte der hessische Landgraf Wilhelm der 5. von Hessen-Kassel eine Bestandserhebung machen lassen, zur Erhebung des Zehnten. Danach wurden 132 3/8 Acker Korn, 154 Acker Weizen, 75 2/3 Acker Gerste und 214 3/8 Acker Hafer angebaut. Überdies waren noch 3 Baumbachsche Vorwerke, 1 von Eschwegiges Vorwerk, sowie ein Landgräfliches Vorwerk vorhanden. Die Pfarräcker in Ulfen waren ¾ Acker Korn im Grasacker, ½ Acker daselbst über der Straße, ½ Acker hinter den Höfen, 2 Acker Weizen am Lindenpfad, 8 Acker am halben Weg an Winterfrucht, sowie im Sommerfeld. 1 Acker hinter dem Berge, 1 Acker Sommerkorn daselbst, 2 Acker Hafer auf dem Attich und ¼ Acker Hafer aufm Altwege, ergibt zusammen 16 Acker  Das Ackerverzeichnis von 1634 zeigt auf was jeder Pächter auf den Erbgütern von Ulfen an Früchten über Sommer und Winter ausgestellt hat .

Schmitt, Ciliax                      5 Äcker Korn, 11 Weizen, 4 Gerste, 19 Hafer.

Heck, Mattes                          4 ½ Acker Korn, 7 ½ Weizen, 3 Gerste 6 Hafer.

Liyse, Ciliax                          8 Acker Korn, 4 ½ Weizen, 5 Gerste ,9 Hafer.

Capler, Bartell                       1 Acker Korn, 1 Weizen, ¾ Hafer.

Liese, Jakob                           2Acker Korn, 3 Weizen, 2 ½ Gerste, 3 ½ Hafer.

Treise , Claus                         ½ Acker Korn, ½  Gerste, 1 ½ Hafer.

Grill , Mattias                        1 Acker Korn , 2/3 Gerste, 2/3 Hafer.

Rabe, Melchior                      3 ½ Acker Korn, 1 Weiten, 3 Gerste, 3 Hafer.

Liese, Merten                         2 Acker Korn, ½ Weizen, 3 Hafer.

Homann , Fritz                       2 Acker Weizen, ½ Weizen, 3 Hafer.

Rauschenberg, Melchior       ½ Korn, 1/8 Weizen, 1 Hafer.

Homan, Bartell                      1 ½ Acker Korn, 3 ½ Weizen, 1 ½ Weizen; 3 Hafer.

Heck , Hanß                           2 ½ Acker Korn, 1 ½ Weizen, 2 ½ Gerste, 3 Hafer.

Krause , Hanß                        5 Acker Korn, 4 Weizen,  2 Gerste.

Hoffarth , Margrit                  1 ½ Acker Korn, 2 Weizen, 1 ½ Gerste, 4 ½ Hafer .

Spörers Fritz,Erben               1 ½ Acker Korn,  1 Gerste .

Klein, Curt                             2 Acker Korn, 1 Weizen, ½ gerste, 1 Hafer.

Leyse, Curt                            6 ½ Acker Korn, 10 Weizen, 4 Gerste, 10 ½ Hafer.

Leyse, Hanß                           8 Acker Korn, 10 Weizen,  4 ½ Gerste, 10 Hafer .

Hoffarth Catharin,Witwe      2 Acker Korn, 1 Weizen, 1 Gerste.

Pipart, Hanß                           6 Acker Korn, 6 Weizen, 3 Gerste,  6 Hafer.

Asman , Hanß                        5 Acker Korn, 10 Weizen, 4 Gerste,  16 Hafer.

Spörer, Henrich                     2 Acker Korn, ½ Weizen.

Bodenstein, Melchior            6 Acker Korn, 5 Weizen, 2 Gerste , 9 Hafer.

Laun, Ciliax                           2 Acker Korn,1 Gerste, 2 Hafer.

Schmitz, Hanß,jun.                ¾ Acker Gerste.

Pipart, Martin                        6 Acker Korn, 16 Weizen, 4 Gerste, 18 Hafer.

Pipart, Hanß,sen.                   ½ Acker Korn,3 Weizen, ½ Gerste, ¾ Hafer.

Gunnermann, Caspar             4 Acker Korn, 3 Weizen, 1 ½ gerste, 5 Hafer.

Laun, Jakob                            ½ Acker Korn, 1 ½ Weizen,  7/8 Gerste, 2 Hafer.

Kröschel, Christianus            1 ½ Acker Korn, ¼ Weizen.

Bodenstei, Hanß                    6 Acker Korn,6 Weizen, 3 Gerste, 9 ½ Hafer.

Capler, Hanß                          3/8 Acker Korn, 3/8 Weizen, 3/8 Gerste, 3/8 Hafer.

Laun, Henrich                        4 Acker Korn, 5 Weizen, 5 Gerste, 4 ½ Hafer.

Homan, Jörg                          1 Acker Korn 2 Hafer.

Laun, Gehla, Witwe               ½ Acker Korn, 1 Weizen, ½ Gerste, 1 Hafer.

Piprt, Jakob                            7 ½ Acker Korn, 11 Weizen, 4 Gerste, 13 Hafer.

Baumgart, Herman                1 Acker Korn, ½ Gerste, ½ Hafer.

Fischer, Catth, Witwe            3 Acker Weizen, 3 Hafer.

Murhart, Leise, Witwe          1 ½ Acker Korn,1/2 Weizen, 3 Hafer.

Reinhart, Anna, Witwe          1 Acker Korn, ¼ Weizen, ½ Gerste, 1 ½ Hafer.

Nibes, Ludwig                       ½ Acker Gerste.

Frank, Johanß                        6 Acker Korn, 7 Weizen, 3 ½ Gerste, 18 Hafer

Wetzel, Ciliax                        ¾ Acker Korn.

Summa: 132 3/8 Acker Korn, 154 Weizen, 75 2/3 Gerste,  und 214 3/8 Hafer.

 

Der hohe Anteil an Hafer geht wahrscheinlich auf eine größere Menge an Pferden im Dorf zurück, welche zum Vorspannen benötigt wurden.

 

Daß es mit den Ernten auch schon vor dem Einfall der Kroaten nicht zum Besten stand, zeigt uns ein Bittbrief des Meiers und Einwohners von Ulfen, Martin Liese, vom 9. August 1634. Er schreibt an den Landgrafen: „Nun habe ich dieses hitzigen Jahrs 1634 durch Gottes Segen tatsächlich eingeerntet 2 ½ Schock Korn, welches ohngefehr in das Maß gehen kann, 8 Viertel Korn, andere Früchte, als Weizen, Gerste und Hafer seind noch in den Feldern, darvon ich noch keine Gewißheit haben kann , was und wieviel derselben an Anzahl werden mag. Weil ich nun dieses Jahr nicht allein den Zins meinem gnädigen Fürsten und Herrn von gedachter Meierei volnständig entrichten kann, sondern auch zur Ausstellung vielgedachter Meierei 4 Viertel Samenkorn zu kaufen von Nöten habe und gleichwohl meine Haushaltung versehen werden muß, als will ich underthenig gebeten haben, es wollen die fürstlichen Commisarien dieses, aus angezeigten Motiven penderieren und beherzigen. Und weil dieses nicht mein, sondern ihro fürstliche Gnaden selbsteigen Ackerwerk und Güter seindt, ich auch überdas von meinen gnädigen Fürsten und Herrn Ackerwerk, unserem aufgerichteten und getroffenen Kontrakt und Meierbrief zuwieder ist, in die 1 ½ Hube, gleich anderen Bauerngütern, in die Kriegskontribution bis tato verkontribuiren und verstehen muß, ohnangesehn daß andere adlige Rittergüter in der Feldmark von Ulfen gelegen, von der Kriegskontribation befreiet seindt, und mir hierinn den Zehenden, so ahn itzo uff Befehlich Ihro fürstliche Gnaden abgefordert, erlassen, damit ich wieder in etwas auskommen und nicht gar von der Meierei verwiesen werde. Dieses will ich mir getrösten und tue selbige zu Fristung. Gesundheit, glückliche Zustände, göttlicher Obacht entphelen und bin ersprießlicher Resolution gewärtig.“

 

Auch der Neuanfang nach dem Krieg war sehr schwierig, zwar hatten einige Bauernfamilien wie, Liese, Görk, Bodenstein, Schmidt überlebt, aber es fehlte am Notwendigsten. So war kein Saatgut vorhanden um die Felder zu bestellen, auch war fast kein Vieh mehr in den Ställen.

 

Im hessischen Manschaftsregister von 1639 ist aufgeführt: Verzeichniß, waß in Stadt und Ambt Sontra vohr haußgeseßene Eheleuthe, Wittiben, so eigene Haushaltungen führen und haben, item wie viel Pferdt, Kuhe, Schaffe, Schweine und Ochsen vorhanden, desgleichen was über Winter ausgestellet.

 

Sontra Stadt; 53 bahr Eheleute und Burgre, darunter aber 19 bahr,so kein eigene hauße haben und wegen Brande bey andern sich ufhalten mußen, 5 Wittiben, 4 unguchtige Pferdte, 4 Ochsen, 15 Kuhe, 45 ½ acker über Winter außgestellet, kein Schwein, kein Schaf.

Ulffen: 24 bahr Eheleuthe, 10 Wittiben, 18 Pferdte, thun 4 Geschirr, 20 Kuhe, 98 Acker uber Wintter außgestellet, kein Schaf,  kein Schwein.

Breittau: 9 bahr Eheleuthe, 2 wittiben, 9 Pferdte,2 Geschirr,3 Kuhe, 45 Acker über Winter ausgestellet.

Wolfferodt: 6 bahr Eheleuthe, 3 Kuhe, 6 Acker über Winter außgestellet.               Crauthaußen: 10 bahr Eheleuthe, 3 Wittiben, 2 Pferdte, 10 Acker über Winter außgestellet.  Weißenborn: 6 bahr Eheleuthe, 6 Wittiben 5 Pferdte, 1 Geschirr, 3 Kuhe, 35 Acker über Winter ausgestellet.

Rockensues: 18 bahr Eheleuthe, 10 Pferde, 2 Geschirr, 5 Kuhe, 30 Acker über Winter außgestellet.

Konigswaldt: 10bahr Eheleuthe, 4 Wittiben, 3 Pferdte, 4 Kuhe, 16 Acker uber Winter außgestellet.

Berneburg: 7 bahr Eheleuthe, 1 Wittib, 2 Pferdte, 1 Kuhe, 19 ½ Acker uber Winter außgestellet.

Munchhoßpach: 11 bahr Eheleuthe, 5 Wittiben, 7 Pferdte, 1 Geschirr, 2 Ochsen, 5 Kuhe, 40 Acker uber Winter außgestellet.

Denß: 9 bahr Eheleuthe, 4 Wittiben,6 Pferdte, 1 Geschirr, 7 Kuhe, 57 ½ Acker uber Winter außgestellet.

Rautenhaußen: 3 man , 1 Pferdt, 6 Acker uber Winter außgestellet.

Hasell: 3 bahr Eheleuthe, 5 Acker uber Winter außgestellet.

Hiebethal: 3 bahr Eheleuthe, 2 Pferdte, 2 Ochsen, 1 Geschirr,  10 Acker uber Winter außgestellet.

 

Summa:

Eheleuthe                                          164

Wittiben                                             40

Pferdt                                                  69

Ochsen                                                  8

Geschirr                                              12

Schafe                                                   0

Schweine                                              0

Kuhe                                                   70

Uber Winter außgestellet            423 ½ acker

 

Doch es ging auch wieder aufwärts, 1650 wurde das Pfarrhaus neu errichtet, 1694 die Schule. Auch die Einwohnerzahl entwickelte sich nach oben, 1675 hatte Ulfen wieder 380 Einwohner, 1700 schon 425. Die Nachbardörfer Röhrda 328, Datterode 270, Grandenborn 300, Renda 250 und Breitau 230 Einwohner. Nach dem 30 jährigen Krieg kamen auch neue Familiennamen nach Ulfen, wie zum Beispiel die Namen, Fernau, Buchenau, Gümpel, Setzkorn, Klein und Bebendorf.

 

Da nicht für alle Männer Arbeit und Lohn in Ulfen vorhanden war, verdingten sich junge Leute zu Kriegsdiensten bei fremden Herren. So nahmen einige Soldaten aus Ulfen an dem spanischen Erbfolgekrieg von 1702-1712 teil. Sie kämpften in den Niederlanden, Italien, Frankreich und in Süddeutschland. Auch in dänischem Sold standen einige Ulfer. Im siebenjährigen Krieg kämpfte Hessen auf der Seite des Preußenkönigs „Friedrich des Großen“. Das Ulfetal war 2 mal Aufmarschgebiet der Franzosen und die Dörfer mußten Futter und Proviant für die französischen Truppen stellen, Pferde wurden beschlagnahmt. Als die Festung Friedewald von den Franzosen erobert wurde, brachte man 60 gefangene hessische Soldaten zu Fuß nach Kassel, was in Ulfen und den anderen Dörfern an der Strecke zu einem Volksauflauf führte.

 

An den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 - 1783 nahmen als Angehörige der Hessischen Regimenter in Diensten der Engländer folgende Ulfer Soldaten teil: Georg Setzkorn, Johann Heinrich Liese, Johann Heinrich Baumgardt, Johannes Siebert, Johann Witzel, Johannes Heinrich Hahn, Johann Jakob Setzkorn, Cyriakus Bodenstein, Johann George Frank, Johann Heinrich Bodenstein, Johann Adam Liese und Johannes Bodenstein teil. Einige kamen nicht in die Heimat zurück, sie blieben zum Teil als Kolonisten in Amerika, andere fanden durch Krankheit oder Verwundung den Tod.

 

Aus dem Jahr 1724 gibt es auch wieder ein Register, das Aufschluß über Anzahl und Art der Gewerbetreibenden in Ulfen nachweist, so gab es damals; 50 Leineweber, 25 Bauern, 10 Schneider, 8 Zimmerleute, 7 Schmiede, 6 Schäfer, 6 Ziegler, 5 Tagelöhner, 4 Töpfer, 4 Schreiner, 3 Müller, 6 Böttner, 3 Wagner, 2 Metzger, 1 Gänsehirt, 1 Schweinehirt und 1 Kuhhirten.

 

Aus dem Jahre 1765 liegt eine exakte Katasteraufnahme über Ulfen vor. Danach gab es 129 Wohnnäuser, 25 Brandstätten, 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus sowie 1 Brauhaus. Die Einwohnerzahl wird mit 549 angegeben. Im Dorf gab es 27 Brunnen. Auch nach dem 30 jährigen Krieg behält Ulfen die Gerichtbarkeit, es gehört jetzt zum Amt Sontra und umfaßt noch die Dörfer Ulfen, Breitau, Wölfterode und Blankenbach.

 

Von 1627 - 1834 gehört es zur Rotenburger Quart, dem Landesviertel der Rotenburger Landgrafenlinie, derer von Hessen. Am 12. 2. 1627 überwies Landgraf Moritz von Hessen-Kassel seinen Söhnen aus 2. Ehe ein Viertel seines Landes, die sogenannte Rotenburger Quart. Diese bestand unter anderem aus den an der Werra gelegenen Ämtern, sowie den Ämtern Plesse/Bovenden und Neuengleichen, beide bei Göttingen gelegen. Seinen Nachfolgern stand er aber die Landeshoheit zu, die durch die sogenannten Reservatenkommisare in der Quart wahrgenommen wurden. Erst 1834, mit den Aussterben der Landgrafen von Hessen - Rotenburg, kamen diese Gebiete wieder voll unter die Hoheit des hessischen Landesfürsten.

 

1689 verkauften die Herren von Baumbach alle ihre Güter in Ulfen an den Landgrafen von Hessen, bekamen sie aber zum Teil als Lehen wieder zurück. Dieses waren: Der Hof Hasengarten, der Hof Erdmannshain, die Kemenate, und die Obere Meierei. Zu dieser Zeit lebte auch ein von Baumbach in Ulfen, er war der einzige Adlige der seinen Wohnsitz in Ulfen hatte. Nach seinem Tode wurde er in der Familiengruft in Nentershausen beerdigt.

 

Ulfen hatte damals schon 4 Mühlen, die Blinde Mühle, zwischen Ulfen und Wölfterode, deren Name von einem blinden Besitzer herrührt. 1564 wird als Besitzer Andreas Husener genannt. In der gleichen Amtsrechnung wird auch angeführt, daß Henrich Biedefeld die Mühle von Jörg Kube dem Blinden gekauft hat Dieser hat mit hoher Wahrscheinlichkeit der Mühle an der Straße, unterhalb von Wölfterode den Namen gegeben. Außerdem gab es die Riedmühle, die Obermühle und die Untermühle. Aus den alten Urkunden geht weiterhin hervor, daß unterhalb des Ibersberges bei der Wüstung Binicherode, heute Abzweig der Straße nach Sontra, zum Erdmannshain eine Mühle gestanden hat.

 

Von den einzelnen Meiereien in Ulfen sind noch bekannt, der baumbachsche Hof Hasengarten, dieser ist schon im Mittelalter erwähnt, er gehörte bis 1747 zum Lehen derer von Baumbach. Als Meier sind folgende Namen bekannt, 1733 Cyriakus Pippart, 1786 Johannes Werkmeister und 1790 Hermann Löffler. Der Erdmannshain wird schon 1432 zum Gericht Ulfen gezählt als Ertmannshagen, auch Erkmersheim dürfte auf dem Gebiet vom Erdmannshain gelegen haben. 1445 verkaufte Hans von Baumbach den Hof an den hessischen Landgrafen, 1538 wird Erdmannshain als Wüstung genannt, 1585 wird wieder eine Familie mit Wohnsitz Erdmannshain aufgeführt. 1630 kaufen die von Baumbach den Erdmannshain zurück und 1895 geht er wieder in das Eigentum des Landes Hessen über. Als Meier sind bekannt; 1732 Andreas Stauffenberg, 1734 Heinrich Bauer, 1750 Heinrich Keilmann, 1755 Nikolaus Hosbach, 1780 George Borschel, 1788 Heinrich Treydorff, 1792 Friedrich Wilhelm Dieckmann und 1815 Bergling Johann Georg. Von der untersten Kemenate (Untermühle?) sind nur die Namen 1731 Johann Jakob Rausel und 1737 David Crause bekannt. Von der Mittleren Kemenate kennen wir die Namen; 1659 Philpp Winter und 1737 Heinrich Winter. Auch gab es in Ulfen einen Schulmeister Andreas Winter, er verstarb 1656. Die Obere Meierei war bis 1689 Besitz derer von Baumbach, ging dann in den Besitz der Landgrafen von Hessen über. Ein Teil der Ländereien ist bis zur 2. Flurbereinigung 1963 Staatsdomäne geblieben. Als Meier sind bekannt; 1737 Valentin Pforr, er ließ die große Scheune bauen, wobei er bei Sprengarbeiten im Steinbruch an der Breitauer Grenze zu Tode kam..Er wurde Pforrvalten genannt und spuckte noch lange in den Köpfen der Dorfbewohner, weil er des Nachts als Geist in der Flur umging, als Strafe, daß er Grenzsteine versetzt hat. 1744  Johann Georg Pforr, der spätere Tiermaler, 1745 wird ein Georg Pforr als Coduktor auf der Oberen Meierei aufgeführt, 1798 Johann Heinrich Rausel als Conduktor, 1803 Johann Adam Rausel, 1807 Christoph Hofmann. Auch bestand noch eine Zehntscheune, die Wiese unterhalb der Kemenate, Sennhob, erinnert noch daran.

 

Auch müssen Ärzte in Ulfen ansässig gewesen sein, denn 1792 verstarb der Feldscheer Johann Conrad Schellhas, 45 Jahre alt, 1797 verstarb der Chirurg Emmanuel Friedrich Göpel, 1822 wird der Wundarzt Georg Schmidt erwähnt. Die Witwe des 1792 verstorbenen Feldscheers heiratete 1793 den Sontraer Scharfrichter Philipp Göpel.

 

Die Jahre von 1670 - 1830 müssen für die Bevölkerung von Ulfen wenig beschwerlich gewesen sein, waren doch über die Hälfte der Verstorbenen über 50 Jahre alt und eine außergewöhnliche Menge hatte das 70. 80. 90. Lebensjahr und auch noch darüber erreicht. Durchschnittlich verstarben im Jahr 12 Einwohner, während 15 geboren wurden.

 

In der Zeit um 1770 nahm Ulfen im Amt Sontra eine Sonderstellung ein, während alle anderen Dörfer ihr Bier in Sontra holen mußten, hatte Ulfen immer noch das Braurecht und ein Brauhaus. Das Braurecht ging der Reihe nach im Dorf um und selbst der Wirt mußte sein Bier von demjenigen, der den „Wisch“ hatte beziehen. Neben dem Bierausschank gab es noch 4 Branntweinschenken.

 

Die Abgaben welche die Bauern zu dieser Zeit leisten mußten, wurden in Form von Geld, Getreide, Geflügel, Eiern usw. erhoben. Die Lehnsherren waren die von Baumbach zu Nentershausen und zu Sontra. Die Landgrafen von Hessen, zu Kassel und zu Rotenburg, die von Butlar zu Hohenhaus, die von Boyneburg zu Reichensachsen, die von Eschwege zu Reichensachsen. Umfangreiche Dienste mußten an die Rotenburger Herrschaft geleistet werden oder in Geldleistungen ersetzt werden.

 

Die Winter scheinen in früherer Zeit teilweise sehr hart gewesen zu sein, denn 1667 blieb die Witwe des verstorbenen Pfarrers ,Anna Roth, auf dem Weg von Ulfen nach Grandenborn im Schnee stecken und erfror. Ebenso erging es 1680 der Ehefrau des Buchbinders Stefan Srik aus Straßburg, auch sie erfror auf dem Weg nach Grandenborn.

 

Am Befreiungskrieg gegen Napoleon im Jahr 1814 nahmen 19 Ulfener Männer teil, ihre Namen sind auf einer Tafel, welche im Kirchturm hängt, festgehalten. 1821 wird in den Städten und Dörfern Hessens die Selbstverwaltung eingeführt und Landkreise werden gebildet. Das gesamte Ulfetal wird dem Landkreis Rotenburg zugeordnet, da die frühere Herrschaft die Hoheitsrechte im Ulfetal inne hatte. In Breitau wird eine neue Schule gebaut, Die Backsteine und Dachziegel dafür werden in Ulfen geformt und gebrannt. 1832 werden die Bauern von allen Frondiensten und Fruchtzinsen befreit, diese werden für ablösbar erklärt.

 

Das 19. Jahrhundert brachte für Ulfen einen enormen Zuwachs an Einwohnern. Wurden im Jahr 1765 noch 549 Einwohner gezählt, stieg ihre Zahl bis 1856 auf 845 an. Die Kehrseite dieser Entwicklung war eine zunehmende Verarmung der Kleinbauern, Handwerker und Tagelöhner. Zahlreiche Ulfener suchten sich Arbeit in den Städten oder wanderten nach Amerika aus. Die Einwohnerzahl sank so bis zum Jahr 1878 wieder auf 675 Personen.

 

1864 kommt Hessen unter preußische Verwaltung und damit kam auch die Zeit des Aufbruchs. Der Ruf nach Freiheit, von Frankreich kommend, kehrte auch im Ulfetal ein, die Freiwillige Feuerwehr 1868, der Männergesangverein 1870, der Kriegerverein, der Turnverein werden gegründet. Die Eigentumsrechte am Interessentenwald und die Nutzungsrechte am Gemeindewald werden durch die preußischen Gesetze von 1881 festgeschrieben. Bereits Ende 1860 werden Gespräche geführt, eine Eisenbahnlinie von Hoheneiche durch das Ulfetal nach Eisenach zu bauen. Diese Pläne wurden vom Amt Sontra und den Herren von Boyneburg, sowie Bierschenk aus Wichmannshausen abgelehnt, da sie sonst Land verlieren würden. In der Zwischenzeit wurde aber schon eine Bahnlinie von Bebra über Gerstungen nach Eisenach gebaut, sodaß sich die Linie durch das Ulfetal erübrigte.

 

1894 wird in Ulfen eine Dreschgenossenschaft gegründet und eine Dreschmaschine gekauft, die 1. im Ulfetal. Da die alte Schule für den Unterricht von 8 Schuljahren zu klein wurde, beschloß die Gemeindevertretung im Jahr 1898 eine neue Schule im Attich zu bauen. Der damalige Bürgermeister war gegen den Schulneubau und entschuldigte sich bei der Einweihung mit der Begründung, er hätte das wichtige Amt des Misteinlegens beim Ackern wahrnehmen müssen. 1894 wird in Ulfen der erste Spar- und Dahrlehensverein gegründet, wurde aber schon nach 3 Jahren wegen Unwirtschaftlichkeit wieder aufgelöst.

 

An dem siegreichen Feldzug gegen Frankreich 1870/ 71, nahmen 36 Soldaten aus Ulfen teil, 4 von ihnen kehrten nicht zurück. Auch ihnen allen wurde eine Ehrentafel gewidmet, weche heute im Kirchturm hängt. Die freiwillige Feuerwehr verewigte die Namen diese Männer auf einem Denkmal, welches oberhalb des Dorfes an der Straße nach Wölfterode aufgestellt wurde. Dieser Gedenkstein steht heute auf dem Platz vor der Kirche, wohin er im Zuge der Straßenbaumaßnahmen versetzt wurde. In den Jahren 1892/94 findet in Ulfen erstmals eine Flurbereinigungsmaßnahme statt. Diese Maßnahme war sehr vonnöten, denn durch die Erbteilung auf den Bauernhöfen wurden die Felder immer kleiner. So schrieb der Bürgermeister von Ulfen: „Ich der Unterzeichnete besitze 104 Morgen Land, dieselben aber in 400 Parzellen zerstückelt, durchschnittlich auf ¼ Morgen groß.“

 

1895 verstarb der Lehrer Johann Heinrich Blackert, er war 14 Jahre als Lehrer in Ulfen tätig und in den Kirchenbüchern steht über ihn geschrieben: Seit 1881 dahier Lehrer und hat oft 150 Kinder und darüber zählende Halbtagsschule durch seinen Fleiß in einen bewundernswerten Zustand gebracht. Ab dem 7. März 1899 erhält Ulfen einen 2. Lehrer, er heißt Friedrich Kalk und kommt aus Grandenborn, er unterrichtet im neuen Schulhaus im Attich die Klassen 5 - 8. Im Jahr 1905 gibt es wieder einen Lehrerwechsel, als 1. Lehrer übernimmt der Lehramtsbewerber Heinrich Rehm aus Wernswik die Schulleiterstelle. Die 2. Lehrerstelle besetzt ein Lehrer Schüler. Der erste Lehrer mußte neben der Schule auch das Amt des Organisten und des Lektoren in der Kirche übernehmen. Der Lehrer und Kantor Heinrich Rehm versah diesen Dienst bis zu seiner Pensionierung 1949.

 

Im Jahr 1909 erbaut der Gastwirt und Metzger Stauffenberg zusammen mit dem Landwirt Hans Linhos von der Meierei und 10 weiteren Teilnehmern eine Wasserleitung vom Siffenborn am Buchberg in das Dorf und in die einzelnen Höfe. Stauffenberg und Linhos waren Eigentümer dieser Quelle, sie brachten sie als Anteil in die Wassergemeinschaft ein, während die anderen Teilnehmer den Bau und das Material bezahlten. Diese Aktion ist wohl sehr schnell und still vor sich gegangen, denn als die anderen Dorfbewohner, welche ihr Wasser weit von den Brunnen holen mußten, wie am Berg, in der Stiegel, oder im Kreuzchen, die Annehmlichkeiten einer Wasserleitung sahen, forderten sie den Bau einer Wasserleitung für das ganze Dorf. Der Schneider Jakob Fernau am Berg wurde zum Sprecher der Interessierten gewählt. Er ließ beim Pfarrer eine Liste schreiben auf der sich 30 Familien eintrugen. Das Wasser von der Quelle am Leibborn sollte für dieses Projekt Verwendung finden., aber sie hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn Bürgermeister Gerlach und der Landwirt Adam Hoßbach hatten sich bei der Flurbereinigung 1893 das Wasserrecht auf ihren Namen eintragen lassen und auch eine Leitung auf ihre Höfe verlegt. Das Wasserrecht von Gerlach kaufte später der Landwirt Adam Rausel und bezog von daher sein Wasser. Der Kauf der Wasserrechte an der Leibbornsquelle durch die Gemeinde scheiterte, da sich die Eigentümer weigerten zu verkaufen. Auch nach einem Gespräch mit dem Pfarrer änderte Adam Hoßbach seine Meinung nicht, er stand auf dem Standpunkt: „Was man von seinen Vätern ererbt hat, soll man nicht wieder hergeben.“ Als Nächstes sollte die Quelle im Schwarzenbach für eine Wasserleitung erschlossen werden, eine Untersuchung ergab, daß das Wasser zwar sehr hart, kalkhaltig und gipshaltig war, aber dennoch als Trinkwasser taugte. Die Ausschachtungsarbeiten an der Quelle hatten 3 arbeitslose Musikanten aus Ulfen übernommen und so heist die Quelle heute noch der Musikantenborn. Die Firma Schäfer und Neuert aus Sontra hatte ein  Konzept erstellt, danach sollte der Bau der Wasserleitung 9000,-Reichsmark kosten, ohne die Hausanschlüsse. In der Zwischenzeit hatten sich weitere 20 Landwirte unter der Führung des Landwirts Siebert zusammen getan um von einer 2. Quelle am Siffenborn das Wasser auf ihre Höfe zu verlegen. Dies rief nun den Pfarrer auf den Plan, welcher den Landrat bat, die Gemeinde zum Bau einer Ortswasserleitung zu bewegen, zumal dann auch Löschwasserhydranten eingebaut werden könnten, wozu die Hessische Brandversicherungsanstalt Zuschüsse zahlte. Trotzdem ging die Sache nicht weiter, da einige Landwirte, welche eigene Brunnen besaßen, ihre Zustimmung verweigerten. Im Frühjahr 1911 fand eine Sitzung des Gemeindevorstandes auf Einladung des Landrats statt, zu welcher auch der Landtagsabgeordnete, Assesor von Waldov aus Berlin anwesend war.Sie riefen die Gegner des Projeks zur Einigkeit und zum Wohl der Allgemeinheit auf. Am22. August 1911 fanden erneute Verhandlungen mit den Besitzern der Quelle am Leibborn statt, als auch diese scheiterten, beschloß man eine Leitung von der Ulfequelle im Hersfelder Grund in das Dorf zu Verlegen. Diese Maßnahme wurde dann im Jahr 1912 durchgeführt.

 

Am 30. Juli 1911 wurde auf Anregung des Försters Steinhöfel vom Erdmannshain und des Weißbinders Wilhelm Liese im Gasthaus Schneider in Ulfen ein neuer Spar- und Darlehensverein gegründet. Zur Gründungsversammlung waren der Unterverbandsdirektor Pfarrer Schüler aus Herkershausen und Oberrevisor Mahuke aus Kassel erschienen. 36 Mitglieder traten dem Verein sofort bei. Hierdurch konnten Gelder aufgenommen werden, um Landmaschienen und Kunstdünger zu kaufen, um so die Ernteerträge zu steigern.

 

Der Turnverein in Ulfen begann 1912 mit dem Bau einer vereinseigenen Turnhalle auf dem Weißtrasen. Der Bau sollte in Eigenleistung errichtet werden und die Mitglieder führten die Bauarbeiten selbst durch, leider verhinderte der Ausbruch des 1. Weltkriegs die Fertigstellung, sodaß dies erst in den 20er Jahren erfolgen konnte.

 

Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden 129 Männer zu den Waffen gerufen, 23 von ihnen blieben auf den Schlachtfeldern Europas und kehrten nicht in die Heimat zurück. Nach dem Ende des Krieges 1918 war die Arbeitslosigkeit wie überall in Deutschland groß. Die Männer suchten sich Arbeit in den umliegende Städten und Gemeinden, wie Gerstungen und Eisenach, während die Frauen und Kinder zuhause die kleine Landwirtschaft betrieben.

 

Auch wird von schweren Unwettern berichtet, so ging am 26. Mai 1920 über Blankenbach ein schwerer Wolkenbruch nieder, der im oberen Ulfetal die gesamte Ernte vernichtete. In Ulfen hatte es kaum geregnet, aber die Schlammassen von Blankenbach kommend, überfluteten die Talwiesen und vernichteten die Heuernte in Ulfen. Dieses wiederholte sich am 27. Mai 1921 und auch aus dem Jahr 1812 wird von solch einem schweren Unwetter berichtet.

 

Im Jahre 1911 zog in das Pfarrhaus in Ulfen ein neuer Pfarrer ein, er wahr wohl ein sehr strenger Hüter der Ordnung und des Lebenswandels der Bewohner seiner Gemeinde und am meisten konnte ihm der Genuß von Alkohol verärgern. So schreibt er 1924: Gewiß waren die Bremser und Rückständler noch da, und wenn es die Schnapsflasche fertiggebracht hätte, hätten sie die reichsten Ernten und die vollsten Scheunen gehabt. Da aber der starke Verbrauch von Schnaps wohl den Schnapsfabrikanten zugute kommt, aber nicht den Bauern, wenn sie es gleich nicht glaubten, so sah es in manchen Bauernhöfen nicht zum Besten aus, zumal da, wo auch die Bauernweiber mehr in Schnaps machten als im Kuhstall und Hühnerhaus, im Garten und Küche. Etwas Gutes schien der Krieg gebracht zu haben, so war das Urteil bisher. Der Verbrauch von Branntwein war stark zurück gegangen und der Säufer fast ausgestorben. Wie manchen dieser Leute habe ich beerdigen müssen. Aber heute schon 1924 sieht dieses Bild ganz anderst aus, man trinkt und säuft wieder wie das liebe Vieh und es zeigt sich vielmals in den Familien: Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen. Wie mancher dürre Ast wird da noch abbrechen, denn in früheren Zeiten konnte schließlich ein versoffener Bauer und eine versoffene Bauersfrau sich und ihren Hof über Wasser halten, aber jetzt in diesen Zeiten herber Steuern und Abgaben ist das ganz ausgeschlossen. Wehe denen, die ihren Kindern und Kindeskindern das Erbe der Väter vertun!

 

1926 gründete der damalige 2. Lehrer an der Schule in Ulfen einen Gemischten Chor, neben dem Männergesangverein, um so auch den Frauen und Mädchen Gelegenheit zum Singen zu geben, dieser Chor bestand bis zum Weggang des Lehrers Ehl 1936 von Ulfen im Jahre 1936. Das Jahr 1928 brachte wieder eine Neuerung nach Ulfen, von dem hießigen Metzgermeister und Gastwirt Heinrich Stauffenberg, sowie einem jüdischen Kaufmann, namens Fascher aus Kassel, wurde eine Postlinie von Hoheneiche über Ulfen nach Gerstungen ins Leben gerufen. Der Gründer aus Ulfen, nämlich Heinrich Stauffenberg war eine fast legendäre Persöhnlichkeit in Ulfen. Er fuhr in jungen Jahren als Schiffskoch auf der Hamburg- Südamerika- Linie zur See. Er war Initiator und Teilhaber der ersten Wasserleitung 1909 in Ulfen ,in  welcher Wasser vom Siffenborn in das Dorf geleitet wurde. Er war Heereseinkäufer für Fleischwaren, betrieb neben seiner Metzgerei noch eine Gastwirtschaft und eine kleine Landwirtschaft, außerdem war er noch lange Jahre Ortsbrandmeister in Ulfen und gleichzeitig Bezirksbrandmeister für das Ulfetal. Dieser rührige Mann gründete dann noch mit 59 Jahren eine Postlinie für das Ulfetal, mit Geschäftssitz in Ulfen.Das Postauto fuhr von Ulfen zur Bahnstation Hoheneiche, beziehungsweise nach Gerstungen zweimal täglich. Es konnte außer Postgut , noch 30 Personen befördern. Das Postauto wurde nach Schichtende in der Scheune von Heinrich Stauffenberg abgestellt und die Fahrer übernachteten in Ulfen. Diese Postlinie wurde dann wahrscheinlich aus finanziellen Gründen, in den Jahren 1933/34 wieder eingestellt. Die Deutsche Reichspost übernahm hierauf die Post- und Personenbeförderung von Ulfen nach Gerstungen über Wölfterrode, Blankenbach, Richelsdorf, Untersuhl nach Gerstungen bis zum Jahr 1942. Dann wurden die Postautos auf dem Lande von der Wehrmacht eingezogen. Ab 1942 wurde die Post und Personenbefördrung von Ulfen nach Gerstungen 4 mal in der Woche mit Pferdegespannen durchgeführt. Dieses Pferdegespann wurde vom Kaufmann Heinrich Liese aus Ulfen bereitgestellt. Der Sohn Heinrich fuhr das Gespann bis zu seiner Einberufung zum Reichsarbeitsdienst 1943. Ein naher Verwandter, Adam Iba, fuhr nun das Fuhrwerk bis der jüngste Bruder , Wilhelm  Liese konfirmiert war, und die Fuhrgeschäfte bis zum Kriegsende übernahm.

Fortsetzung folgt ......

Wer nicht warten möchte= Herr Eduard Michael hat noch ein paar Exemplare dieser Chronik-Bücher zu verkaufen.

 Geschichte und Geschichten

von      Ulfen

Herausgegeben, anläßlich der 1225 Jahrfeier von Ulfen

vom 8. bis 11. September 2000

verantwortlich: Eduard Michael

 

Beiträge zur Geschichte der Stadt Sontra - Heft Nr.

Vorwort

 

Ulfen feiert vom 8. bis 11.September 2000 sein 1225 jähriges Bestehen.

Dies gibt uns den Anlaß,dieses Jubiläum gebührend zu feiern,

sowie die Geschichte und die Vergangenheit einmal zu durchleuchten und für die Generationen nach uns aufzuschreiben

 

Quellennachweis

 

Die Kirchenbücher von Ulfen

Stiftung Sippel-Veröffentlichungen aus der Geschichte,“Landschaft an der Werra,“ Band 14

Dr. Kollmann-Chronik 1200 Jahre Renda.

Sagen, Märchen und Erzählungen „Rund um den Alheimer“, Lehrerverein des Kreises Rotenburg 1950

 

Inhalt:

Seite                              Geologische Lage des Ulfetales

                                      Besiedlung des Ulfetales

                                      Geschichte von Ulfen

                                      Die Kirche von Ulfen

                                      Die Schule von Ulfen

                                      Hofnamen in Ulfen

                                      Flurnamen in Ulfen

                                      Die Maler Johann Georg und Franz Pforr

                                      Der Kroatentisch

                                      Die Wunderblume von Rittershausen

                                      Der Stein an der Kratzhecke bei Ulfen

 

Vorab eine kleine Übersicht über die geologische Geschichte des Ulfetales.

Die geologische Geschichte des Ulfetales reicht wie die des gesamten Ringgaugebietes bis in die Zeit des Erdmittelalters zurück. Damals war dieses Gebiet Teil eines ausgedehten, flachen Meeresbeckens. Dieses sogenannte Muschelkalkmeer exestierte vor ca. 210-200 Millionen Jahren. Die ersten Ablagerungen auf dem Meeresboden waren Kalksteine. Diese Gesteinsschicht hat stark gewellte Bankober- und unterseiten, daher stammt auch der geologische Name „Wellenkalk“. Diese Gesteinsschicht, die als Schottermaterial beim Straßenbau Verwendung findet hat eine Dicke bis zu 100 m.

 

In der darauffolgenden Zeit des Mittleren Muschelkalks mit wenig Meereszufluß,hohen Temparaturen und Eindunstungen des Meerwassers kommt es zur Bildung von Gipsgestein. Dieser Gips wurde in Millionen von Jahren vom Untergrundwasser wieder ausgespült, Hohlräume entstanden, brachen unter dem Druck des Wassers zusammen und gaben dem Gestein sein typisches, löchriges Aussehen, den Zellenkalk. Diese Steine werden bei uns hauptsächlich an den Hängen des  Ringgaues gefunden und sind bei der Anlage von Steingärten  ein gesuchter Artikel.

 

Zur Zeit des oberen Muschelkalks, in der wieder frisches Wasser in das Flachmeer floß, siedelten sich in großen Kolonien, Seelilien, das sind Meerestiere, die mit den Seesternen und Seeigeln verwand sind, auf dem Meeresboden an. Diese runden, knopfartigen Stielteile der Seelilien werden „Trochiten“ genannt und geben diesem bis zu 12 Meter dicken Gesteinspaket den Namen „Trochitenkalk“. Diese Kalkschicht ist sehr fossilreich, es finden sich neben den Seelilien noch Muscheln, Schnecken und Armfüßler von denen wir auch heute noch zahlreiche Versteinerungen finden.

 

In der zu Ende gehenden Zeit des Muschelkalkes kommt es zu Vertiefungen im Meer und bietet so Lebensraum für eine Kopffüßlergruppe, die sogenannten Ceratiten. Sie sind Verwandte der Ammonshörner und sehen sich auch ähnlich. Diese 30-45 Meter dicke Gesteinsschicht wird daher auch als Ceratitenschicht bezeichnet. Dann zieht sich das Meer langsam aus unserem Raum zurück und der sogenannte Keuper lagert sich ab, das sind dann in der Hauptsache Tonschichten.

 

Als dann vor 30 - 60 Millionen Jahren der afrikanische und der europäische Kontinent zusammenstießen, kam es zu starken Brüchen und Eintalungen. So entstand am westlichen Rand des Ringgaus das Ulfetal. Das Ulfetal selbst ist eine Grabeneinsenkung, während die Täler westlich und südlich durch tektonische Verwerfungen entstanden sind. So verläuft auch die Grenze zwischen den Kalkschichten des Ringgaues und dem Buntsandstein des Richelsdorfer Gebirges in der Linie Holzhausen-Hasengarten-Riedmühle-Lindenau. In über 100 Meter Tiefe ist hier ein starker Wasserlauf, der sogenannte „Sontra-Hessisch Lichtenauer Graben“. Diese Wasserader wurde auch bei uns angezapft und liefert Trinkwasser nach Wölfterode, Ulfen und Breitau. Östlich von Ulfen befindet sich das Rendaer Tal und das Grandenbörner Tal (Eistal). Diese Täler entstanden durch Erosionsfurchen im Trochitenkalk, Wasser, Frost und Hitze haben hier in Millionen von Jahren tiefe Täler ausgewaschen. Diese Erosionsarbeit findet auch heute noch in regenreichen Zeiten, bei starken Gewittergüssen und schnellen Schneeschmelzen statt. Bei normalen Wetterzuständen liegt der Graben trocken. Quellen treten im Bereich von Ulfen nur im Frühjahr aus Gesteinsspalten des Rendaer Tales heraus, während vor Breitau eine der stärksten Quellen Deutschlands aus dem Ringgau heraustritt. Die Quellen westlich und südlich von Ulfen, welche aus dem Buntsandsteingebiet kommen führen dagegen ganzjährig Wasser.

 

 

Besiedlung des Ulfetales

 

Die Besiedlung des oberen Ulfetales geht bis in das Mesolithikum und Neolithikum (jüngere Steinzeit) zurück, Funde von Steinbeil und Breitkeil belegen dieses.

Die ersten Menschen hier waren vermutlich Jäger und Sammler, die als Nomaden in kleinen Gruppen umherzogen und in Zelten oder Höhlen lebten. Die Lage im Talkessel war für die Ausübung der Jagd recht günstig und die Gewässer waren fischreich. Während die Tallagen versumpft waren, lagen die Hanglagen trocken, kleine Gehölze, Baumgruppen und etwas Niederwald luden zum seßhaft werden ein. Weiter im Westen im heutigen Richelsdorfer Gebirge war undurchdringlicher Urwald und das Tal nach Norden war stark versumpft. Die ersten Siedler dürften vom Volksstamm der Kelten gewesen sein, später kamen dann die Sueben und Hermanduren, die späteren Thüringer. Ihre ersten Hütten bauten sie vermutlich am heutigen Burgberg und sie nannten den Ort „Olfenaha“. Olfe=wütend, Naha=Wasser, also „Wütendes Wasser“, was mit den immer wiederkehrenden Wassermassen aus dem südlichen Ringgau zu erklären ist. Die nähere Umgebung war unbesiedelt, denn der Ringgau bot durch Wassermangel und viel Gestrüpp, hauptsächlich Hartlaubgehölze kaum Siedlungsmöglichkeiten. Die Hänge und Berge waren eine Waldsteppe, die von Birke, Kiefer, Buche, Esche, Linde und Eibe bewachsen war. Der Ringgau mit dem angrenzendem Ulfetal gehörte zum Stammesland der Thüringer, und lag an der Grenze zwischen der Germark und dem Westergau. Weiter im Westen und Norden lebten die Chatten, die späteren Hessen. Das Siedlungsgebiet war in eine Feldmark und eine Waldmark eingeteilt und wurde gemeinschaftlich bewirtschaftet. Eigentum als solches gab es nach germanischen Recht nur für Haus, Hof und  Garten.

 

Während sich die Menschen in der älteren und der mittleren Steinzeit vom Jagen und Sammeln ernährten, begannen sie in der jüngeren Steinzeit mit der Haltung und Züchtung von Haustieren, wie Rind, Schwein, Ziege, Schaf und Hund. Sie bearbeiteten Steine und bauten feste Häuser, auch fertigten sie Gebrauchsgegenstände aus Lehm und Ton. Tonscherben aus der Zeit um Christi Geburt wurden auch hier in der Ortslage gefunden. Ob das Gebiet um Ulfen vom Zug der Römer, unter ihrem Feldherrn Drusus, zur Weser berührt wurde, oder auch bei der Völkerwanderung der germanischen Volksstämme nach Süden gestreift wurde, ist nicht bekannt. Aus der Zeit der Völkerwanderung ist nur ein Steinkastengrab eines Merowingerfürsten im Bereich der Wüstung Hermerode bekannt. Dieses wurde im Jahre 1934 auf einem Acker gefunden, jedoch aus Unkenntnis und Unachtsamkeit zerstört. Erst mit dem Vordringen der Franken und deren Sieg 531 bei Burgscheidungen über die Thüringer kamen die ersten fränkischen Siedler und in deren Gefolge, die Mönchmissionare in unsere Gegend. Allerdings waren die fränkischen Mönche nicht die ersten, die das Christentum verkündigten, denn der thüringische Fürstenhof hatte enge verwandtschaftliche Beziehungen zum Ostgotenkönig Theoderich, welcher in Ravenna in Oberitalien residierte und zum arianischen Christentum übergetreten war. Als Folge ließen sich auch schon sehr früh einige Angehörige thüringischer Adelsfamilien taufen. Auch haben die christlichen Franken nach der Zerschlagung des Thürigischen Reiches 531 kleine christliche Gemeinden gegründet. Als der angelsächsische Mönch Wynfried, später von Papst Gregor, Bonifatius genannt, 719 erstmals nach Thüringen kam, fand er schon christliche Gemeinden vor. Die eigentliche Missionsarbeit nahm er aber erst im Jahr 724 auf, als er als Missionsbischoff wieder nach Thüringen kam. Die christliche Lehre hatte sich vielerorts mit heidnischen Kulten vermengt. Benetektinische Mönche führten dann die völlige Christianisierung durch. Ob Bonifatius auf seinen Wegen von Hersfeld nach Creuzburg an der Werra auch durch Ulfen und Renda gekommen ist, wird vermutet, ist aber nicht bewiesen. Als die Franken und mit ihnen die Mönche ins Land kamen, schafften sie als erstes das germanische Recht, nach welchem alles Land gemeinschaftliches Eigentum war, ab und erklärten alles zum Eigentum des Fränkischen Königshauses. Nach der Kaiserkrönung 800 in Aachen kamen die germanischen Siedlungen unter die Verwaltung der Fürsten, Herzoge und Grafen, welche als Getreue des Kaisers belohnt wurden.

 

                                        Geschichte von Ulfen.

Um die Mönche seßhaft zu machen und ihnen eine Grundlage für die Verbreitung des Christentums zu geben wurde ihnen von den regierenden Herrscherhäusern Land zugewiesen.

Dabei wurden große Teile des Landes an die neugegründeten Klöster als Schenkungen vergeben. So wurde auch Ulfen an das im Jahre 742 gegründete Kloster Hersfeld als Schenkung des fränkischen Königshauses gegeben. Ob die gesamte Ortslage mit allen Ländereien in der Schenkung enthalten war, ist nicht bekannt. Am 5. Jannuar 775 führt der Hersfelder Mönch Lullus in seinem Besitzverzeichnis „Lulli Breviarium“, 18 Mansen, das sind Höfe mit dazu gehörigem Land, und 8 Hufen, das sind 240 Morgen Land, als Besitz des Klosters Hersfeld in „Olfenaho“in Thüringia auf. Als Bonifatius erstmals in unserem Raum war, stand vermutlich schon eine kleine Kirche am Burgberg, welche Johannes dem Täufer geweiht war, Täuferkirchen sind Urkirchen und werden als die ersten Kirchen überhaupt angesehen. Seit 1123/28 gehörte die Kirche von Ulfen zum Archidiakonat Dorla. Dieser Kirchenbezirk umfaßte große Teile Westthüringens und so auch unserem Raum. Das Archidiakonat war aufgeteilt in Sedes (Propsteien), Ulfen gehörte zum Sedes Renda, welches Sitz eines Erzpriesters war. Ulfen kann schon sehr früh eigene Pfarrer nachweisen, was für die Bedeutung und die Größe der Pfarrei spricht. In den Jahren 1260-1300 wird wiederholt der Name Hermerat von Boyneburg, Pfarrer in Olfen, oder Heymeratus, Pfarrer in Olfena als Urkundsbeamter in den Brandenfelsischen Vermächtnissen, 1300 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Germerode als Hermann, Pfarrer in Olfen genannt. Auch bei der Ersterwähnungsurkunde von Breitau, am 22.Februar 1260 (Schenkung an das Kloster Bubenbach, Cornberg) ist Pfarrer Hermann, Plebanus in Olfna, als Mitunterzeichner aufgeführt. Bereits im Jahre 1258 wird der Pfarrer Bruno von Olfena in einer Urkunde des Klosters Germerode genannt. Am 30.April 1302 schließen der Bürger Konrad Steinhaus und seine Ehefrau Adelheid mit dem Kloster Cornberg, wegen ihrer Güter zu Lindenau, Dudenrode und Hatzenbach einen Vertrag, als Zeuge ist der Vizeplebanus Henricus von Olfna, (Vizepfarrer Heinrich von Ulfen), anwesend. Auch war Ulfen in dieser Zeit schon Gerichtssitz. Als adlige Herren, welche Besitz und Gerichtsstuhl in Ulfen hatten sind bekannt, die Herren von Frankenstein, welche 1330 ihren Besitz und Gerichtsstuhl in Ulfen (inderimus in Olfen), an die Grafen von Henneberg verkaufen. Die Gerichtbarkeit umfaßte auch das Halsgericht, der Galgenberg süd-westlich des Dorfes erinnert noch daran. Als weitere Adlige sind die von Boyneburg, von Baumbach, von Ziegenhein, von Appe, von Kratz, von Welda, von Buttlar-Brandenfels und nach dem hessisch-thüringischen Erbfolgekriegen auch die Landgrafen von Hessen bekannt. Die Herren von Buttlar-Brandenfels treten 1370 ihre Rechte und Besitzungen in Ulfen (Dorfstelle Rittershausen) an den Landgrafen von Hessen ab. Den Herren von Baumbach gehörte um 1400 aller Besitz westlich der Ulfe.

 

Die Lage von Ulfen an den Schnittpunkten der Ost-West-Verbindung vom Kloster Hersfeld über das Richelsdorfer Gebirge, durch den Hersfelder Grund, Ulfen, Renda nach Creuzburg an der Werra.

 

Die Nord-Süd- Verbindung von Cassel, Sontra, Ulfen über den Hasengarten nach Wartha-Eisenach, sowie der Weg nach Grandenborn- Netra, die Netragasse gibt es heute noch in Ulfen und dann natürlich die Nürnberger Salzstraße, welche vom Norden kommend über Ulfen, Richelsdorf, bei Berka die Werra durchquerte weiter ins Frankenland nach Nürnberg führte.

 

Hier wurde schon sehr früh Handel getrieben und mit Pferdefuhrwerken, Salz und andere Handelsware auf den Straßen tranportiert. Durch Vorspannen und Herbergieren kamen die Bauern zu einigen Wohlstand und auch die Handwerker konnten sich über zusätzliche Verdienstmöglichkeiten nicht beklagen, denn der karge Ackerboden von Ulfen warf nicht allzuviel ab.

 

Bereits vor 1300 war Ulfen Ausspanndorf mit Pferdewechsel und Herberge. Eine Zollstation war eingerichtet und eine Latein- oder Magisterschule bestand in Ulfen. Der Lehrer der Lateinschule trug den Titel Magister und noch auf der im Jahre 1600 in Erfurt gegossenen ältesten Kirchenglocke von Ulfen ist der Name Christian Groschius, Magister der Lateinschule festgehalten. Diese Schule wurde von den Söhnen der Pfarrer, Lehrer, Zollbeamten, den Pächtern der Meiereien und anderen Begüterten aus Ulfen und der näheren und weiteren Umgebung besucht, um sie auf das Studium vorzubereiten.

 

Der Heimatforscher Wilm Sippel schreibt in seinen Veröffentlichungen: Der wichtigste und bedeutenste Ort im Ringgau dürfte im Mittelalter Ulfen gewesen sein, weil es durch seine Lage an der alten Nürnberger Straße manchen Gulden einnehmen konnte. Sontra lag dagegen an keiner bedeudenten Straße, weil die Händler den Ort wahrscheinlich umgingen und ihren Weg der Fulda- Werra -Wasserscheide entlang, westlich von Königswald nahmen, wobei sie beim ehemaligen Kloster Bubenbach die Nebenstraße Eschwege-Sontra-Hersfeld kreuzten. Als die hessischen Landgrafen im frühen Mittelalter den Plan faßten in dieser Gegend eine Stadt zu bauen, hätten sie eigentlich Ulfen hierfür vorsehen müssen. Ausschlaggebend aber dürfte die Tatsache gewesen sein, daß Ulfen ihnen nur zum Teil gehörte, Sontra ihnen dagegen im Jahr 1292 zufiel, als der Kaiser dem Landgrafen von Hessen mit Stadt und Amt Eschwege, sowie der Boyneburg und ihrem Zubehör belehnte. Vor allen die Tatsache, daß in unmittelbarer Nähe von Sontra Kupferschiefer gewonnen und verhüttet wurde, dürfte ausschlaggebend für die Wahl Sontras zur künftigen Stadt im Ringgau gewesen sein. Ein späterer Chronist verglich Ulfen mit dem Eisenbahnknotenpunkt Bebra, wegen seiner Straßenkreuzungen und seiner Bedeutung.

 

In der Zeit von 800-1200 nach Christi wurden auch in unserem Raum zahlreiche neue Siedlungen durch die Franken gegründet, wovon viele bereits nach ca. 200 Jahren wieder wüst lagen. In der Gemarkung Ulfen sind davon bekannt; Rittershausen, Hermerode, Schwarzenbach, Brunicherode wird 1313 erwähnt; Hatzelsrode; Erkmershein , (Erdmannshain); Grüne Gras, 1373 wüst; Unterer und Oberer Hasengarten; Haspelterode und Hatzichenbach, dieses wurde nach Breitau eingemeindet, auch Lindenau gehörte damals zum Kirchspiel Breitau. Diese Siedlungen waren zumeist nur sogenannte Weiher mit wenigen Häusern. Ihr verschwinden ist auf Zerstörung durch Kriegseinwirkungen, Plünderungen und auch auf das Versiegen der Quellen zurückzuführen. In der Regel zogen die Bewohner in die nächstgelegenen größeren Orte. Auch Sontra wurde erstmals 1232 urkundlich genannt ,als „Sutraha“in Thüringen. Unser Nachbardorf Wölfterode wird zwischen 1200 und 1300 gegründet, es wird vermutet, daß die Besiedlung von Ulfen ausging, da der alte Name “Ullfterode“, von Ulfen gerodet, geschrieben wurde. Das Gericht Ulfen bestand im Jahr 1432 aus den Orten Ulfen, Erdmannshain, Breitau, Lindenau, Krauthausen, Weißenborn sowie einen Teil von Holzhausen.

 

Nach den Kriegswirren um 1400 wird das Gericht Ulfen zum Amt Sontra gerechnet. In einer Beschreibung der Gerichtsgrenzen von 1432 schreibt der Amtmann Otto von Mulenbach, Amtmann zu Wildeck: „Ich Otte zu Mulenbach, Amptmann zu Wildegke, han zu gerichte gesessen zu Olffena und da han die scheffen gewuset und geteilt myme gnedigen herren; Item zu den ersten zu Engilbach, zu dem Boymgarten, zu dem Schawentail, von dem schawentaile an den Lichtenstein, dorch daz dorf Hoilzhusen gelegen undir Brandefels zu der Erdenbrucken zu, von der Erdenbrucken zu dem Arnßberge, von dem Arnßberge zu dem Zeygkelsberge, von dem Zeygkelsberge an die Schregke, von der Schregke zu Fetern Eyche, von vetern Eyche an der von hoenstein hoiltz uff den Gyßenhayn her zu derWynthusen zu, von der Wynthusen zu dem Thodengraben, von dem Thodengraben widder zu dem Engilbach. Diese vorgeschrieben malstede in deme krynge gelegen, daz gehort alliz in das gerichte zu Olffena, hoiltz und velt, Wasser und weyde, stog und steyne nicht ußgescheiden, Auch han die scheffen geteilt uff ire eyde, daz myn gnedyger herre in demeselben krynge zu richten hat uber hals und uber hand und uber schult und uber schaden. Item sind die gut, die fry wullen sin zu Olffena mit namen Helmerich von Boymbach eyn vorwerg, Reynhard von Boimbach eyn vorwerg, Heinrich von Welden eyn vorwerg, Wernher von Butelar eyn vorwerg, Appel Appe eyn vorwerg. Auch han die Phauwin eyn gut, daz woln sie auch frey haben. Auch han die zu Kalmetzsch eynen seß, den woln sie auch frey haben.“

 

Das Kloster Hersfeld vergab seine Besitzungen an adlige Herren zu Lehen, diese wiederum an die Bauern, welche dann Abgaben und Dienste leisten mußten. Die Eigentümer und Lehnsherren auf den Höfen wechselten sehr oft , so steht um das Jahr 1370 geschrieben; Alheid Heymsode hat alle die Güter in Ulfen gekauft, die Apel (Schenke) bis dahin vom Stifte Hersfeld zu Lehen hatte. Auch die Gerichtsgrenzen und Einnahmen mußten immer wieder neu bestätigt werden, so steht im Erbregister der hessischen Landgrafen aus dem Jahre 1447 geschrieben: Dies ist die „Gerechtigkeit“ meines Herrn in Ulfen. Daselbst hat mein Herr ein eigenes freies Vorwerk, das er dem Hans von Welda abgekauft hat. Dazu gehören ungefähr 3 Hufen Land, die mein Herr selbst bearbeiten läßt. Schaftrift, Wasser, Weide, Holz und Feld, Gebot und Verbot, auch der Dienst und alle Gerichte sind meines Herrn. Hiernach findest du, welche „Gerechtigkeit“ an der Gerichtszehnt und an allen Wüstungen mein Herr hat. Die Gerichtszehnt beginnt im Engelbach und geht von dort in den „Bomsgarten“ beim Hain der Boyneburg bei Schickeberg, von dort zu Steinmilze, dann zur Willigerslide, von dort zum Schönbühl und weiter zur Erdenbrücke, von hier dann zum Hasengarten und zum Arnsberg, dann weiter zum Ziegenberg und zur steinernen Rinne, von hier zu „Vettern Eiche“ und weiter zum Honsteinschen Holze, von hier zum Bubenrod und auf Windhausen zu, von dort zum Todengraben und zurück zum Engelbach.

 

(Notiz) Blankenbach liegt auch in der Gerichtszehnt, weil die steinerne Rinne jenseits von Blankenbach liegt. Die von Baumbach behaupten, alle Obrigkeit mit Diensten, Gerichten und anderen Rechten über Blankenbach zu haben. Dieser Streit währte jahrhundertelang, weshalb die von Baumbach zeitweise auch einen eigenen Pfarrer dort hielten, beziehungsweise den Ort zeitweise kirchlich von Ulfen abgetrennt hatten. Die Junker von Baumbach hatten damals einen Handel mit dem Pfarrer von Ulfen gemacht, denn es steht geschrieben: Laut alten Brief und Siegel haben die Junker Heinrich und Ludewig von Baumbach 1471, freiwillig, Gott zur Ehr und dem Pfarrer zu Ulfen zum Besten: 17 Mulden Frucht das sind 33 Metzen, von ihren Gefällen zu Breitau, Krauthausen und Weißenborn bestimmt. Weiter steht geschrieben; Wenn ein Mann an der Anewand (Grenze) der Zent erschlagen wird und sein Haupt dabei auf diese Seite fällt, dann muß das Gerichtsverfahren hier durchgeführt werden; andernfalls im Nachbargericht. Hier sind 3 Vorwerke an denen der Landgraf den Dienst gehabt hat. Die Gerichtsmänner sagen aus, daß diese Güter jetzt davon befreit sind. Die Gerichtsmänner sagen weiter aus, daß die darauf sitzenden Hofleute dem Landgrafen und dem Dorf mit ihrer „fahrenden Habe“ helfen müssen. Dem Landgrafen gehören Schaftrift, Wildbahn, Wasser, Weide und Gehölze innerhalb der Zente, ausgenommen der „ehrbaren Leute“(Adel) gehegte Gewässer und Gehölze. Hier hat der Landgraf auch ½ Hufe Land, die sein Knecht Todevogel inne hat, diese Hufe wurde ihm von Simon von Kratz „auferstorben“ . Todevogel hat noch eine herrschaftliche Wiese bei dem Hoppach und heißt Krieschwiese. Meines Herrn gehegte Gewässer beginnen am Wehr oberhalb der Mühle und wendet am Steinbühl fort. Dann geht dies Gewässer durch das Dorf und endet an der Gemarkungsgrenze von Breitau.

Die Dorfbewohner geben dem Landgrafen für die Herbste und den abgelösten Dienst etwa 50 Gulden auf Michaelistag. Für jede Herdstelle im Dorf erhält der Landgraf ein Rauch- oder Fastnachtshuhn. Hiernach findest du geschrieben, was jeder Mann gibt:

Schweinehirt, Henne der Junge gibt jährlich von seiner Hofreite 4 Groschen, 1 Gans, 2 Michelshähne, 1 Fastnachtshuhn, 1 Schock Eier und 1 Scheffel Hafer.

 

Smed Claus gibt für seine Hofreite bei dem jungen Schwynhirte gelegen 4 ½ Groschen, 1 Gans , 2 Michaelshähne, 1 Fastnachtshuhn und ein Schock Eier.

Desgleichen gibt er für ¾ einer Hufe, die früher Mathias Frahe hatte, 10 Groschen, 1 Gans, 2 Michaelshähne, 1 Fastnachtshuhn und 1 Schock Eier.

 

Demudt, Hermann gibt für etliche Ländereien und ½ Hufe, die früher Schugwert hatte, 2 Groschen.

 

von Baumbach, Lotze, ein „Gebure“, gibt für den in der Wydaste, den früher Hermann Diemudt hatte, 2 ½ Groschen, ½ Gans, 1 Michaelshahn, ½ Fastnachtshuhn und ½ Schock Eier. (Bemerkung: Gebure heißt soviel wie Genosse, der Vorstehende war möglicherweise ein Bastard der von Baumbach).

 

Piphart, Peter hat 1Hufe Land, genannt die Gundelaubs-Hufe, die früher Hans Hobemann hatte, und gibt 4 Schillinge, 1 Gans, 1 Fastnachtshuhn, 2 Michelsgänse und 1 Schock Eier.

 

Zagke, Tyle hat eine Hufe Land, die Curt Haugk hatte, davon gibt er 2 Groschen.

 

Krugk, Claus gibt von seiner Hofreite 6 Groschen, 1 Gans, 2 Michelshähne, 1 Fastnachtshuhn und 1 Schock Eier.

 

Weyner, Henrich hat ½ acker und 1 Wiese unter dem Steinbühl und gibt 3 Groschen.

 

Roedegker, Claus hat einen Acker und eine Wiese bei Henrich Weyner gelegen und gibt 3 Groschen.

 

Schrader, Tolde hat eine Wiese oberhalb des Steinbühls in Helmederade und gibt 10 böhmische Groschen.

 

Koch, Hans hat 2 Äcker in Helmederade und gibt 1 Scheffel von dem was sie tragen.

 

Thodevogel, des Landgrafen Knecht gibt von seinem Haus und der Hofreite 1Gans, 2 Michaelshähne, 1Fastnachtshuhn, 1 Schock Eier und 6 Groschen.

 

Hetzenradt, Curdt hat 2 Äcker in Helmederade und gibt 1 Scheffel Frucht, von dem was sie tragen.

 

Bache , Hans gibt von einem Acker in Helmederade 1 Limes von dem, was er trägt.

 

Scheffer, Hans hat eine Scheune an der Wydaste und gibt 10 Muschen, doch mag mein Herr davon abstehen.

 

Hier findest du beschrieben an Gerechtigkeiten und Zinsen, die mein Herr, der Landgraf an den Wüstungen innerhalb der Gerichtszent hat.

Mein Herr hat in allen Wüstungen das Halsgericht. Hasbelderade und Ertmanßhain sind gänzlich eigen meines lieben Herrn. Lyndenauwe, die Wüstung, daran hat der Landgraf alle Gerechtigkeit, wie sie auf dem Zettel stehen, den man im Hausregister findet.

Heinrich Fadt zu Sontra zinst 1 Gulden wegen des Klosters Cornberg und um Verteidigungswillen, Helmederade, die Wüstung, gehört je zur Hälfte dem Landgrafen und dem von Baumbach, ausgenommen eine halbe Hufe, die Apel Appes Kindern gehört.Dort liegt eine Wiese die hat man dem Hofmann von Ulfen in das Vorwerk getan.. Todevogel hat dort ebenfalls 4 Acker Landes

Ridenhusen, (Rittershausen) das Dorf. Sämtliche Bewohner geben den Landgrafen jährlich 2 Mark rotenburgischer Währung nach Ulfen und wird der Kratz-Zins genannt.

Ertmannshagen, eine Wüstung gehört meinem Herrn. Der junge Henne, Schweinehirt, hat dort eine Wiese und gibt 4 Böhmische Groschen und 1 Fastnachtshuhn.

Sigburgk, Jakob hat dort eine Wiese und gibt 3 schlechte böhmische Groschen.

Dippel, Gele hat dort eine Wiese und gibt 4 böhmische Groschen und 1 Fastnachtshuhn.

Schickeberg, eine Wüstung, gehört meinen Herrn.

Schötze, Henrich hat dort ein Gut, etliche Äcker und eine Wiese, davon gibt er 2 ½ Viertel partim, von dem was sie tragen.

Horseym Henrich, und Henrich Hindermann haben ebenfalls die Wüstung inne und geben 2 Gulden, 4 Groschen, 1 Gans, 2 Michaelishähne, 1 Fastnachtshuhn und 1 Schock Eier.

 

Dies sind die Zinsen meines gnädigen Herrn zu Ulfen:

 

Für jede Herdstelle ein Rauchhuhn, zusammen ungefähr 60 Hühner.

Swenherte, Henne der Junge gibt 4 Groschen von seiner Hofreite.

Smed, Claus 4 Groschen von seiner Hofreite, 3 Böhmisch Groschen vom Lande zu Helmederade und 9 Groschen von einem viertel Land.

Demud, herman 2 Groschen vom Land.

Baumbach, Lotze, ein“Gebure“, ½ Groschen von einem Hobe.

Zagke, Thyle 2 Groschen von 1 Hufe Landes.

Krugk, Claus 6 Groschen von einer Hofreite.

Scheffer, Hans 10 „Muschen“ von einer Scheune.

Weyner, der junge, 1 böhmischen Groschen von einer Wiese.

11 Mark rotenburgischer Währung fallen aus Braunhausen nach Ulfen.

15 Viertel partim von einem Vorwerk in Ulfen.

Summa: 3 Schock, 24 Groschen und 2 „Muschen“ , 60 Rauchhühner, 4 ½ Gänse,4 ½ Fastnachtshühner, 9 Michaelishähne, 4 ½ Schock Eier, 7 ½ Viertel Korn und 7 ½ Viertel Hafer.

In Ulfen und Breitau hat mein Herr 60 Männer mit 60 Pflügen, die geben jährlich 100 Gulden für den Dienst.

Summu-summarium ungefähr 58 Schock Triftgeld in Ulfen und Breitau, steht und fällt.

Ungefähr 3 Schock Zollgeld in Ulfen.

Mölner, Dölle gibt 4 Gulden Ablösung für den Wassergang der unter dem Dorf gelegenen Mühle,(Blinde Mühle), mit ihm ist vereinbart worden, daß er mehr zahlen soll, wenn die Mühle „ganghaftig“ geworden ist.

 

Im Jahr 1460 sind in Ulfen 40 zinsbare Häuser aufgeführt, im Jahre 1538 sind es 72 und 1571 werden 113 zinsbare Hauser gezählt. In dieser Zeit sind in Ulfen 5-7 Lehnsgüter, wie die untere, die mittlere und die obere Meierei, der Zenthof, die Baumbachschen Höfe Hasengarten und Erdmannshain, an die Abgaben gezahlt und Dienste geleistet werden müssen.

 

 

Im Jahre 1525 wurden die Marktrechte für den Zollmarkt, welcher jedes Jahr am Mittwoch vor dem 18. Oktober abgehalten wurde, nach Sontra vergeben. Ulfen erhielt dafür die Kirchmesse, (Kirmes). Beim Zollmarkt mußte jeder Fremde 2 Heller Zoll bezahlen.

 

1556 wird auch erstmals eine Winter-Knabenschule in Ulfen erwähnt, in welcher die Knaben der Bauern und Handwerker das Lesen, Rechnen und Schreiben beigebracht bekamen. 1582 wird der Schulmeister Jakob Wicke in den Kirchenbüchern geführt. Landgraf Moritz der Gelehrte, erließ 1618 eine Schulordnung, welche auch in Ulfen und im Filialdorf Wölfterode Anwendung fand. Die Besoldung der Lehrer war recht kümmerlich, 1635 heißt es; Der Schulmeister von Ulfen hat jährlich aus der Kirchen von Wölfterode 1Gulden, dafür muß er die Kinderlehre in den Fasten, alle Sonntag und in der Wochen 3 mal halten. Der Schulmeister von Ulfen war also in Wölfterode nur ein Gehilfe des Pfarrers zur Vorbereitung der Kinder auf die Konfirmation.. Im Sommer kamen die Kinder nicht zur Schule, weil sie zuhause zum Viehhüten und zur Feldarbeit gebraucht wurden. Im Winter mußten die Jungen Brennholz mit in die Schule bringen, die sogenannten Schulklipper.

 

1635 wird über die Besoldung des Lehrers in Ulfen geschrieben: Er hat ein Haus und ein Gemeintheil, 5 Malter Korn, 1 Umbgang Brot, 3 Acker Land, 3 Acker Wiesen, das Gras aufen Kirchhof, 1 Thaler von der Turmuhr zu stellen, 3 Dreyer vom Opfergeld, 8 Albus vom Kastenmeister für Baumöl und schmieren der Glocken und Uhr. 1 Thaler von seiner Mühe gen Wölfterode, aus der Kirchen daselbst. Von jedem Knaben den Winter über 4 Groschen zur Schulgebühr, die Knaben müssen auch das Holz einzuhitzen mitbringen.

 

Durch den 30 jährigen Krieg wurden die guten schulischen  Leistungen zunichte gemacht, das Schulhaus und das Pfarrhaus werden niedergebrannt und erst um 1700 gibt es wieder ein Verzeichnis über das Einkommen der Lehrer an der Schule zu Ulfen. Es war gegenüber den Angaben von 1635 keine größere Veränderung eingetreten. Ulfens „wohlausgebaute „ Schule damaliger Zeit hängt eng mit der wirtschaftlichen Bedeutung Ulfens in jener Zeit zusammen. Die Lage an den großen Durchgangsstraßen mit Straßenzwang und Zöllen förderten die Entwicklung der Schule. Mit der abnehmenden Entwicklung der Straßen ging auch die Schulentwicklung zurück.

 

In den Jahren von 1581-1602 wird eine große Anzahl von Gewerbetreibenden nachgewiesen, allsda sind Bäcker, Leineweber, Töpfer, Bierbrauer. Ulfen hatte das Braurecht, welches im Dorf reihum ging, sowie Ziegelmacher. Schon um 1430 exestierte hinter der Riedmühle eine Ziegelei. In der Blütezeit des Durchgangsverkehrs waren in Ulfen 10-12 Herbergen und 4 Branntweinschenken. 1583 wird die Zollstation von Ulfen nach Datterode verlegt, da immer mehr Fuhrleute von Wartha aus über den Ringgau fuhren, um den Zoll zu umgehen. Auch wurden die Fuhrleute auf der Strecke von Blankenbach nach Richelsdorf immer wieder von Raubrittern überfallen und ausgeraubt. Um die Kosten für den Geleitschutz zu sparen, ließ der hessische Landgraf die steinerne Brücke in Creuzburg über die Werra bauen und die Zollstation nach Datterode verlegen. Die Fahrzeit für die Fuhrwerke verlängerte sich dadurch um bis zu 2 Tage, weshalb diese Straße auch „die langen Hessen„ genannt wurde.

Fortsetzung folgt ......