Haustiere
            und so – Wie`s früher war


Hühner
Wie war das denn früher auf dem Dorf, als der
Tierarzt noch nicht für die Fortpflanzung der Tiere
sorgte! Fangen wir mal mit den Kleinen an. Da war
fast vor jedem Haus entlang der Straße ein
Misthaufen und darauf war eine Schar Hühner und
dazu gehörte selbstverständlich auch ein stolzer
Hahn. Der hielt Ordnung im Hühnerhaus und sorgte
dafür, daß die Eier auch befruchtet wurden, damit
im Frühjahr wenn eine Henne gluckte und sie auf
ihrem Nest 10 bis 12 Eier ausbrütete aus jedem Ei
auch ein Küken schlüpfte, welche dann groß
gezogen wurden.


Gänse
Ähnlich verhielt es sich mit den Gänsen. In vielen
Häusern wurden Gänse gehalten, welche dann im
Spätherbst geschlachtet wurden. Aber eine
Zuchtgans mußte den Winter über gefüttert werden.
Diese wurde dann im Frühjahr, je nachdem wo man
wohnte, ans „Brauwasser“ oder an den „Alte Weist“
getrieben wo sich dann eine große Anzahl Gänse
im Wasser versammelte. Einige der Gänsehalter
fütterten über den Winter neben der Brütegans auch
einen Gänserich. Dieser hatte dann die Wahl unter
den vielen Gänsen und er sorgte auch dafür, daß
die Gänseeier auch alle befruchtet waren. Wenn
dann am Abend die Gänse wieder nach Hause
geholt wurden, konnte es passieren, daß man von
den Besitzern der männlichen Gänse ein paar böse
Worte gesagt bekam, daß man gefälligst im
nächsten Jahr auch mal einen Gänserich über den
Winter füttern solle. Die Gänse kannten die Stimme
ihrer Halterin ganz genau und wenn diese nach
ihrer „Wula“ rief, antwortete sie und machte sich auf
den Heimweg. Mancher Gänserich aber ging auch
erst mal mit einer neuen Liebe nach Hause und
mußte dann gesucht werden.


Ziegen
Auch stand in vielen Ställen eine Ziege, „die Kuh
des kleinen Mannes“. Viele Kinder der „Kleinen
Leute“ wurden mit der Milch der Ziege groß, aber
auch manches schwache Ferkel wurde mit
Ziegenmilch aufgepäppelt. Für die Nachzucht
sorgte der „Gemeinde - Ziegenbock“, welcher
zuletzt bei Johannes Buchenau (Klingelhans) am
Berg stationiert war. Wer nicht genau wußte wo das
war, hat es auf jeden Fall gerochen, denn der
Geruch war ziemlich streng. Als nach dem Krieg die
Ziegenhaltung stark zurück ging wurde auch der
„Gemeinde – Ziegenbock“ abgeschafft. Für die
wenigen Ziegenhalter gab es nun ein Problem,
wenn die Geiß zum Bock mußte. So wissen wir von
Martin Sippel im Kreuzchen, daß er mit seiner Ziege
bis nach Süß zum Bock gefahren ist. Dazu wurde
damals in Martin seinem „Goggomobil“ der
Beifahrersitz ausgebaut, Tochter Brigitte saß auf
der Rückbank und hielt die Ziege, die vorn neben
dem Fahrer saß, am Halsband fest und mancher
der dem Auto begegnete , wunderte sich, wenn ihm
eine weiße Ziege aus dem Auto ansah.


Schafe
Die Schafzucht hat schon im Mittelalter eine große
Rolle in Ulfen gespielt .So haben schon um 1400
die sieben Adligen Höfe jeder eine eigene Herde
gehalten, auch das Herrschaftliche (landgräfliche)
Gut besaß eine eigene Herde. Möglich war dies
durch die großen Flächen an Brachland, Öd
Flächen, Wacholder Heide und Hutewälder. Noch in
den 1920er Jahren waren in Ulfen 2 Schafherden.
Nach dem 2. Weltkrieg 1945 gab es dann nur noch
eine Schafherde in Ulfen, welche aus
Bauernschafen bestand. Die Besitzer hatten einen
Schäfer angestellt, der die Herde von cirka 200
Schafen hütete. Der Schäfer jener Zeit war Konrad
Sennhenn am Johannesberg in Ulfen. Bargeld
wurde dem Schäfer als Lohn nicht ausgezahlt, er
bekam für je 10 Schafe 1 Schaf als Eigentum, sowie
Ackerland für Kartoffel und Futterrüben welches in
jedem Jahr von einem der Schafbesitzer
bereitgestellt werden mußte. Der Schäfer schlief
mit seinen Hunden, je nach Witterung von Mai bis
Oktober, in seiner fahrbaren Schäferhütte am
Pferch (Einzäunung in der Nacht) Der Pferch wurde
auf den Brachländereien der Schafbesitzer
aufgeschlagen und blieb dort je nach Anzahl der
Tiere des Eigentümers. Für jeweils 10 Schafe blieb
der Pferch 3 Nächte. Das Gatter mußte am Morgen
noch einmal weitergeschlagen werden, damit eine
recht große Fläche gedüngt wurde. Für den
Transport der Hütte und der Pferch- Hürden waren
die Bauern zuständig. Die übrige Zeit waren die
Schafe zu Hause in ihren Ställen und wurden
vormittags vom Schäfer abgeholt und abends
zurück gebracht, je nach Witterung wurde dann
noch zu gefüttert. Im Mai jeden Jahres wurden dann
in jeweils wechselnden Städten die Schafböcke
gekört und zum Verkauf angeboten. Hier wurde
dann ein junger Bock gekauft und nachdem der alte
Bock geschlachtet oder verkauft war, zur Herde
gelassen damit er für frisches Blut sorgen konnte.
Ende Juni bekam dann der Bock eine Schürze
umgebunden, damit er die Muttertiere nicht mehr
bespringen konnte, denn die Schafe sollten um die
Weihnachtszeit/ Januar ihre Lämmer zur Welt
bringen. Die männlichen Lämmer wurden dann zur
Osterzeit geschlachtet und die weiblichen gingen
mit der Herde auf die Weide. Die letzten Schäfer in
Ulfen waren nach Konrad Sennhenn, Willi Schalles
aus Unhausen, Fritz Raupe und als letzter Schäfer
Kurt Thorwirt. Nach der Flurbereinigung in den 1960
Jahren gab es dann keine Schafherde in Ulfen
mehr. Heute kann man vereinzelt noch einen
Wanderschäfer sehen, wenn er mit seiner über 500
Schafe großen Herde an Ulfen vorüberzieht.


Schweine
In fast allen Häusern in Ulfen wurden früher
Schweine gefüttert, damit in der Winterzeit
geschlachtet werden konnte und so Vorrat für das
ganze Jahr geschaffen werden konnte. Während
der kleine Mann seine Ferkel kaufte und sie dann
großzog, hielten einige Bauern auch Muttersauen
für die Nachzucht. Die Gemeinde kaufte zur
Nachzucht einen Eber und ein Bauer hielt diesen im
Stall, fütterte ihn und wurde dafür von der
Gemeinde bezahlt. Wenn dann ein Schwein zum
decken gebracht wurde (Die Sau durchs Dorf
getrieben wurde), mußte er den Eber auf den Hof
holen. Der letzte Gemeindeeber wurde auf dem Hof
Schmidt/Göpfarth gehalten. Dort war ein großes
Rolltor vor der Hofeinfahrt, das wurde dann
geschlossen damit die Schweine nicht
durchbrennen konnten und gleichzeitig der Hof vor
neugierigen Blicken gesichert war. An die
Gemeinde mußte dann Deckgeld bezahlt werden.
Wenn die Ferkel 4 Wochen alt waren wurden sie
verkauft und es gab einen sogenannten Ferkel –
Winkauf. Dann wurden nach Anzahl der Ferkel Lose
in einen Hut getan und nun konnte sich jeder der
Reihe nach ein Ferkel aussuchen. So konnte es
passieren, daß man ein großes und ein kleines
Schweinchen bekam. Diese wurden dann in einen
Spreukorb getan, welcher mit einer Decke
abgedeckt und zugebunden wurde, damit die
Ferkel, welche auf der Schubkarre nach Hause
gefahren wurden, nicht herausspringen konnten.


Rinderzucht
Die Rinderzucht geht in der hiesigen Region zurück
bis in die jüngere Steinzeit als die Menschen die
sich bisher von Jagen und Sammeln ernährt hatten,
seßhaft wurden, sich feste Häuser bauten und mit
der Haltung und Züchtung von Haustieren
begannen. Im Mittelalter bis zum 30jährigen Krieg
wurden die Rinder von einem Kuhhirten auf die
Weide getrieben und gehütet. Aus dem Jahr 1639
ist bekannt, daß nach dem 30jährigen Krieg nur
noch 20 Kühe in Ulfen vorhanden waren, alles
andere Vieh war von den Kroaten weggetrieben und
geschlachtet worden. 1724 gab es in Ulfen schon
wieder 25 Bauern welche Rinder züchteten und
einen Kuhhirten beschäftigten. Während in früheren
Zeiten nur auf den Bauernhöfen Kühe und Rinder
gehalten wurden, stellten sich später auch
Handwerker und Tagelöhner eine Kuh in den Stall
um ihre Familie zu ernähren. Nach dem 2. Weltkrieg
gab es fast in jedem Haus eine bis mehrere Kühe
die dann auch noch angespannt wurden und mit
denen der „Kleine Mann“ seinen Acker bestellte.
Das Gras auf den Feldwegen wurde von der
Gemeinde jedes Jahr verpachtet und zum Teil
wurde das Gras von den Feldrainen von den
Frauen abgesichelt und in der Kötze nach Hause
getragen. Zu dieser Zeit waren im Dorf bei
einzelnen Bauern bis zu 3 Zuchtbullen eingestellt.
Diese wurden von der Gemeinde auf Auktionen,
meistens in Fulda gekauft, die Bauern bekamen
Futtergeld und wer eine Kuh zum decken brachte
mußte an die Gemeinde Deckgeld bezahlen. Mit
dem Fortschreiten der Technisierung brauchten
dann die Kühe den Pflug nicht mehr zu ziehen, das
besorgte nun ein kleiner Traktor. Die Kühe waren
nun reine Milchlieferanten und die Milch wurde in
Kannen an die Molkerei in Bebra geliefert. Mit dem
Milchgeld wurde das Einkommen der
Arbeiterfamilien aufgebessert. Das heißt aber auch,
daß wenn man von der Arbeit nach Hause kam, auf
dem Feld nochmal einige Stunden Arbeit warteten.
Dann mußte die Milch gekühlt werden und es gab
Milch – Mengenkontingente, so daß die
Nebenkosten immer höher wurden. Auch war der
Verdienst an der gewerblichen Arbeit soweit
angestiegen, daß man davon leben konnte und so
haben die Nebenerwerbslandwirte nach und nach
ihre Kühe abgeschafft. Aus den Kuhställen wurden
Garagen und Partyräume. Die Vollerwerbsbauern
aber mußten um mit Profit zu arbeiten, immer
größere Ställe bauen und immer mehr Vieh
aufstellen, so daß 100 Kühe im Stall heute keine
Seltenheit mehr sind. Einige der Bauern haben mit
der Milchwirtschaft aufgehört und halten
Ammenkühe.


Pferdehaltung
Auch die Pferdezucht hat in Ulfen eine lange
Tradition, denn schon im frühen Mittelalter war
Ulfen Vorspann - und Pferdewechsel – Station an
den alten Handelsstraßen „Sächsische
Nebenstraße“ und die „Nürnberger Straße“. Auf
manchen Höfen standen bis zu 12 Pferde um an
den schweren Handelswagen über die steilen
Bergstrecken vorzuspannen. Aber auch bis ins 20te
Jahrhundert waren auf jedem Hof 2 bis 3 Pferde um
die Feldarbeit zu bestellen. Zur Zeit der
landgräflichen Amtmänner in Sontra mußten auch
Dienste mit Pferdegespannen geleistet werden.
Dabei mußten die Bauern von Ulfen zum Teil bis
nach Paderborn fahren, um dort das Bier für den
Amtmann in Sontra zu holen. In Ulfen standen
immer die besten Pferde, in den anderen Dörfern
waren die Pferde angeblich für solche weiten
Strecken nicht geeignet. Für die Ulfener Bauern
aber war es immer eine Belastung, denn Zuhause
blieb die Arbeit liegen. Die Ulfener Bauern
züchteten ihre Pferde selbst und lernten auch die
Fohlen an, die auf den Höfen geboren wurden.
Ärgerlich war es besonders wenn zu Kriegszeiten
Reit- und Zugpferde für das Militär beschlagnahmt
wurden, denn es wurden doch meistens die besten
Pferde beschlagnahmt. Um die Qualität der
Pferdezucht zu fördern richtete das Land Hessen
schon im 19ten Jahrhundert eine Deckstation in
Ulfen ein und beschickte diese jedes Jahr mit 3
Hengsten, 1 Warmblüter und 2 schwere Kaltblüter,
aus dem Landesgestüt Dillenburg. Diese waren auf
dem Hof von Heinrich Frank in der Dreckgasse im
Hengststall untergebracht. Anfang Februar gab es
dann jedes Mal ein großes „Hallo“ im Dorf „ Es wird
Frühling, die Hengste aus Dillenburg kommen“. Sie
kamen zusammen mit dem Gestütswärter mit der
Bahn nach Sontra, wo schon einige
Bauernburschen warteten um die Hengste nach
Ulfen zu reiten. Auch mußten die Hengste jeden
Tag bewegt werden und da wollte natürlich jeder
der Burschen am liebsten den Warmblüter reiten.
Wenn dann im Winter bei Franks der Misthaufen zu
hoch wurde, wurden die Kaltbluthengste auch
schon mal aufgeschirrt und vor den großen
Pferdeschlitten gespannt. Die Geschirre (Kummete)
wurden bei Frankcourts / Schmidt/Göpfarth geholt,
weil die 2 schwere Belgier- Pferde hatten, deren
Kummete passten auch auf die Hälse der Hengste.
Nur leider waren die Hengste das Ziehen nicht
gewöhnt und wenn es bergauf ging war die Fuhre
auch manchmal zu schwer. Zum Decken der Stuten
kamen die Pferdezüchter aus der ganzen
Umgebung nach Ulfen und im Sommer bevor die
Hengste wieder nach Dillenburg kamen war dann
auf dem „Weistrasen“ Stuten und Fohlenschau.
Aber auch die Pferdezucht wurde mit der
Anschaffung von Zugmaschinen immer weniger.
Heute gibt es in Ulfen kein Zugpferd mehr, nur noch
einige Freizeitpferde, Therapiepferde und auf dem
Reiterhof Obermühle gibt es Reitpferde, welche als
Pensionspferde dort in der Reithalle eingestellt sind.
So ändern sich die Zeiten, es läuft kein Huhn und
keine Gans mehr auf der Straße herum und auch
kein Misthaufen ist mehr da. Dafür gibt es auf den
Höfen welche noch Vieh züchten große
Güllebehälter. Auch wird keine Sau mehr durch das
Dorf zum Eber getrieben und auch keine Kuh mehr
zum Bullen gebracht, aber Frühling wird es noch
immer, auch wenn keine Hengste mehr aus
Dillenburg kommen.


Eduard Michael Anno 2016