Aus dem Buch  ‘Geschichten von Ulfen‘ von Eduard Michael

Herausgegeben anlässlich der 1225 Jahr Feier von Ulfen im Jahr 2000

 

JOHANN GEORG PFORR und sein Sohn FRANZ

 

Vielen Lesern werden die beiden berühmten Maler Johann Georg Pforr und Franz Pforr kaum bekannt sein, und doch stehen sie in enger Beziehung zu unserem Dorf Ulfen. Wer freilich eine der deutschen Kunstgeschichten aufschlägt, wird darin über das Leben und Schaffen dieser beiden Maler nicht allzu viel finden. Man rühmt wohl den Vater Johann Georg Pforr als hervorragenden Pferde- und Tiermaler, dem man den Ehrennamen „Deutscher Wouvermann“ gegeben hat, man preist auch seinen Sohn Franz als feinfühligen Romantiker und geistreichen Malerphilosoph, aber es ist im Grunde doch herzlich wenig, was man von ihnen zu sagen weiß. Selbst Geburtsort und Sterbestätte, Geburtstag und Todesstunde werden oft ganz falsch angegeben. So wird zum Beispiel als der Geburtsort von Johann Georg Pforr, Ulfa in Oberhessen oder gar Utphen angegeben. Den Sterbeort von Franz Pforr verlegt man nach Altona, wohin er niemals gekommen ist, statt nach Albano in Italien am Albanersee. Erst seit etwa einem Jahrzehnt ist das Interesse besonders für den Sohn Franz beständig gewachsen und deutlicher treten die Gestalten von Vater und Sohn aus dem Dunkel der Vergessenheit ans Tageslicht der Geschichte und des dankbaren Gedächtnisses. Ja heute sieht man in Franz Pforr vielfach den geistigen Begründer der sogenannten Nazarenerschule. zu der solche Größen ersten Ranges wie Franz Overbeck, Peter Cornelius, Karl Philipp Fohr, Kaspar David Friedrich und viele andere mehr oder weniger bekannte Künstler zweiten Ranges, wie Julius Oldach und Erwin Speckter gerechnet werden können. Der Name „Nazarener“ der einst ein Spottname sein sollte, ist längst ein Ehrenname geworden.

 

Es kann nicht unsere Aufgabe sein, hier die Bedeutung und den Einfluß dieser Romantiker zu schildern, die wie Franz Pforr auf die kunstgeschichtliche Entwicklung und künstlerische Weltauffassung des Jahrhunderts richtunggebend und richterlich entscheidend gewirkt haben. Aber es soll versucht werden in kurzen Zügen das Leben und Wirken der beiden Pforr so zu veranschaulichen, daß vielleicht doch mancher Leser erkennt, daß unsere Heimat hier zwei Männer hervorgebracht hat, die es verdienen, der Vergessenheit entrissen zu werden.

 

Uns soll nicht nur ihre Kunst interessieren, sondern in erster Linie das, was wir von ihrem Leben wissen. Und es darf gleich gesagt werden, daß ihr Leben rein menschlich betrachtet, voll von erschütternder Tragik und schwerer Schicksalsschläge gewesen ist. Nur kurze Zeit hat der Stern dieser Familie am Kunsthimmel Deutschlands hell geleuchtet, um dann allzu früh mit Franz Pforr meteorartig zu erlöschen. Welch eine tiefe Tragik liegt doch darin, daß ein solch gottbegnadeter Künstler wie Franz Pforr schon als Knabe von 12 Jahren ganz verwaist in der Welt dasteht und das er als Jüngling von 24 Jahren in den Tod sinkt, er, den seine treuen Freunde als Herold und Bahnbrecher, Prophet und Priester ansahen! Friedrich Overbeck und Peter Cornelius, ja die ganze „Lukasgilde“ haben diesen Sonnenjüngling nie vergessen können und bis in ihr eigenes Grab haben sie immer wieder in Wort und Schrift und Bild des treuen Franz gedacht. Dann vergaß man ihn mehr und mehr und erst in unseren Tagen erstrahlt sein Bild in neuem Glanze, und man zählt ihn heute zu den Bahnbrechern und Pionieren der Kunst des 19. Jahrhunderts.

 

Was wissen wir von der Familie der beiden Pforr.

Um das Jahr 1700 treffen wir in Ulfen als Pächter der dortigen landgräflich - hessischen Staatsdomäne Valentin Pforr. Als im Jahr 1698 ein Teil des Besitzes der Herren von Baumbach in landgräflichen Besitz überging, gehörte auch die Ulfener Domäne dazu. Valentin Pforr scheint der erste staatliche Pächter in Ulfen gewesen zu sein. Er stammte wahrscheinlich aus der Stadt Hersfeld oder aus der Umgebung derselben. Verheiratet war er mit Martha Elisabeth Funk, die einer Gutsbesitzerfamilie des Richelsdorfergebirges angehört zu haben scheint. Ein Bruder von ihr war der Pfarrer Johann Michael Funk in Herleshausen, ein anderer Bruder Nikolaus Funk war Pächter der Domäne Tannenberg bei Nentershausen, die ebenfalls 1698 aus Baumbachschen Besitz in Landgräflichen übergegangen war. Aus der Ehe des Valentin Pforr mit Martha Elisabeth Funk gingen 4 Kinder hervor. Johann Michael, geboren am 17. 12. 1703; wir treffen ihn später als Cornbergischen Pächter in Richelsdorf. Anna Dorothea, geboren am 15. 12 1712; Nikolaus Wilhelm, geboren am 12. 10 1713; Johann George Pforr, geboren am 28. 4. 1717.

Valentin Pforr scheint ein sehr kräftiger, tüchtiger Landwirt gewesen zu sein. Großen Reichtum aber hat er in Ulfen nicht sammeln können, da der Boden hier recht unfruchtbar und oft felsig ist. Noch heute lebt er in der Erinnerung der Ulfener als „Pforrvelten“, und der Aberglauben und die Volksphantasie hat einen Kranz von Sagen um seine Gestalt gewoben. So erzählte man sich einst, und die Alten wissen es heute noch, daß er als ruheloser Geist in mitternächtlicher Stunde umherwandere, in seiner Scheune Stroh herunterwerfe, als feuriges Rad sich durch die dunklen Fluren wälze. Er habe einst Grenzsteine versetzt, diese böse Tat lasse ihn nicht ruhig im Grabe ruhen. Früher sei er oft den Wanderern bei Nacht erschienen und habe sie furchtbar erschreckt. Vor 100 Jahren noch, drohte man ungezogenen Kindern damit, daß man ihnen zurief: „Wenn du ungezogen bist, kommt der Pforrvelten und holt dich“ Jedenfalls ist hier die Volksphantasie auf Irrwegen gegangen; denn Valentin Pforr ist ein ehrenwerter, rechtschaffener Mann gewesen. Daß man sich auch noch so lange nach seinem Tode mit ihm beschäftigt hat, beweist auf jeden Fall, daß er ein angesehener Mann gewesen ist. Vor allem aber scheint sein tragischer Tod dazu beigetragen haben, daß der Volksaberglaube sich seiner bemächtigte und seine Gestalt umwob. Doch lassen wir das Totenbuch von Ulfen jetzt reden, das zu berichten weiß: Herr Valentin Pforr, Meier auf der obersten königlichen Meierei, den 17. Mai 1741 an der Breitauschen Grenze, wo Steine für den Bau dieser Meierei gebrochen worden, wohin bemelter Meier zu diesem Steinbruch hin verfüget und wie eine Sprengung mit Pulver hat geschehen sollen, so hat er hierzu Rath und Tath gegeben und als solches geschehen, so ist ein Stein 8 Pfund schwer in die Höhe geflogen, nachdem aber derselbe hergefallen, so ist unverhofft dieser Stein auf Herrn Pforr Kopf gefallen und von diesem treffen auf die Erde gesunken, sprachlos worden, ihn auf einem Wagen nach Hause bringen müssen und wie er auf seiner Hofreyde hat sollen von seinem Wagen hat abgenommen werden, hat er gegen 3 Uhr noch einen tiefen Seufzer geholet und ist in dem Herrn verschieden und hat seinen Geist aufgegeben und ist am folgenden 19. viusdem bei einer volksreichen Versammlung zur Erden bestattet worden, war alt 64 Jahre, weniger 3 Monat und etliche Tage“. Valentin Pforr starb auf diese traurige Weise am 17. Mai 1741.

 

Zunächst hat seine Frau das Gut verwaltet, bis es der jüngste Sohn Johann Georg Pforr übernahm, der der Vater des berühmten Tiermalers werden sollte.

 

Johann Georg Pforr verheiratete sich am 13. Februar 1724 mit „Gerderutha Elisabeth Weydemännin“, einer Tochter des Königlichen und Hochfürstlichen Conduktors Justus Weydemann zu Wolkersdorf, der bereits verstorben war. Ihre Mutter scheint eine geborene Hornickel von Helgans /Hegelganß bei Hersfeld gewesen zu sein, denn sie lebte 1744 nach dem Tode ihres Mannes auf diesem Gutshofe. Auch später hören wir, daß die Verwandten sich gegenseitig besuchen. Bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen und auch sonst freundschaftliche Beziehungen pflegen. Johann Georg Pforr und Gertrud Elisabeth Weydemann hatten 3 Kinder. Das 1. Johann Georg Pforr, geboren am 14. Januar 1745; sein Pate war der Bruder seines Vaters, Johann Michael Pforr, Cornbergischer Pächter in Richelsdorfs; es ist der spätere Tiermaler. Das 2. Katharina Elisabeth Pforr, geboren am 22. Oktober 1747. Das 3. Johann Friedrich Pforr, geboren  am 1. März 1752; sein Pate war der Förster Johann Friedrich Hornickel, auf der Helgans bei Hersfeld.

 

Johann Georg Pforr wurde in Ulfen 1759 konfirmiert, nachdem er die Volksschule beim Lehrer Johann Heinrich Schreiber besucht hatte. Auch scheint er noch Privatunterricht beim Pfarrer Johann David Bornemann gehabt zu haben. Schon frühzeitig zeigten sich in dem Knaben bedeutende zeichnerische Talente und eine große Vorliebe für Tiere aller Art, besonders aber für Pferde. In der Landwirtschaft seines Vaters tätig, lernte er Land und Leute, Feld und Flur kennen und sah offenen Auges die Schönheiten der Natur und hatte seine Freude an Wald und Wild, Reiten und Jagen. Die Schluchten und Täler seiner Heimat prägten sich ihm so tief ein, daß er auch später in der Stadt Frankfurt das Bild der Heimat nicht vergaß. Auf dem Bilde „Heimkehr von der Jagd“ findet man geradezu eine treue Wiedergabe der Felswände des Rendaertales, das von Ulfen hierauf auf den Ringgau führt und bei Renda endet. Auch mag seine große Liebe und Kenntnisse auf dem Gebiet der Pferdezucht und Pferderassen auf seine in Ulfen verbrachte Kindheit und Jugendzeit zurückzugehen. Die Zeit des 7 jährigen Krieges und seine Folgen hatten der Familie manchen Schaden gebracht, und es scheint, daß sein Vater recht arm geworden ist, sodaß er selbst nicht daran denken konnte, Landwirt und Domänenpächter zu werden. Um das Jahr 1770 verließ er Ulfen, um im Bergwerk zu Richelsdorf seinen Lebensunterhalt zu finden und das Bergfach als Beruf zu wählen. Sein Onkel Johann Michael Pforr wird ihn wahrscheinlich dort untergebracht und bei den hessischen Bergbehörden ein gutes Wort für ihn eingelegt haben. Von den Jahren, wo er in Richelsdorf tätig war, wissen wir recht wenig. Nur die Kunde meldet, daß er dort im Bergwerke mehrere Unfälle erlitten habe. Diese Stürze in den Schächten des Bergwerkes so erzählt man, seien die Ursache gewesen, daß er die letzten Jahrzehnte seines Lebens an einem Brustleiden gelitten habe und auch daran gestorben sei. Es will mir diese Erzählung jedoch wenig einleuchten. Mit aller Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine vererbte Familienkrankheit tuberkulöser Art; denn wir werden sehen; daß auch seine beiden Söhne Johann Heinrich und Franz in früher Jugend an derselben Brustkrankheit starben wie der Vater. Sie trugen schon in früher Jugend den Todeskeim in sich und besonders von Franz Pforr, dem berühmten Romantiker und Nazarener, ist es bekannt, daß er schon mit etwa 15 Jahren leidend war und unter Fieberanfällen litt, die seinen frühen Tod erklären.

 

Johann Georg Pforr hat also im Schweiße seines Angesichtes sein Brot als Bergmann verdienen müssen. Seine stille ruhige Art, sein menschenfreundliches Wesen fielen schon in Richelsdorf allen auf, die mit ihm in näheren Verkehr traten. Als er am Ende seines Lebens in der Stadt Frankfurt als angesehener Mann und vielbeachteter Künstler lebte, haben alle die ihn kannten, seine schlichte, einfache Menschlichkeit, seine allem Gepränge und Getue fremde Art, seine häuslichen und bürgerlichen Tugenden, seine Menschenliebe und milde Freundlichkeit empfunden. Das Getriebe der Stadt, der Lärm der Öffentlichkeit, der glänzende Boden der feinen Gesellschaft, die äußeren Dinge des Lebens waren nichts für ihn; er floh die Gesellschaften und Festlichkeiten und fühlte sich am glücklichsten im Kreise seiner Familie. In Richelsdorf war es, wo man zuerst auf seine zeichnerischen Talente und Fähigkeiten aufmerksam wurde. Der hessische Edelmann Waitz von Eschen fand Wohlgefallen an dem künstlerisch veranlagten Pforr und suchte für ihn einen Platz wo seine Fähigkeiten zur Geltung kommen konnten. So kam Pforr als Porzellanmaler nach Kassel, um dort in der neugegründeten Porzellanfabrik seine Kunst und sein Können zu zeigen. Hier sagte allerdings Pforr seine Tätigkeit nicht zu; schon nach einiger Zeit treffen wir ihn wieder in der alten Heimat Ulfen, wo er sich der Landwirtschaft widmete. Damals scheint er sich mit Vorliebe mit Pferden und Hunden beschäftigt zu haben. Es gibt noch ein handschriftliches Werkchen von ihm, das in der Stadtbiblothek von Lübeck aufbewahrt wird, welches den Titel führt:“Erkäntniß des Pferde Alders aus den Zähnen“.

Das Künstlerblut in Pforr kam nicht zur Ruhe. Als im Jahre 1777 in Kassel eine neue Malerakademie eröffnet wurde, wird Johann Georg Pforr sogleich einer der ersten Schüler. Wenn wir bedenken, daß er schon 52 Jahre alt war, als er der Malerakademie beitrat, so können wir daraus ersehen, daß seine Ausbildung spät, fast zu spät, begonnen hat. Kostbare Jahre der Jugend waren bereits an ihm vorbeigerauscht und die günstigsten Lernjahre vorüber. Mit großem Eifer und Fleiße warf sich Pforr nun ganz auf die Malerei und erreichte das Unerhörte, daß er schon nach einem Jahre 1778 den ersten Preis erhielt. Im Jahre 1779 wurde er sogar Mitglied der Akademie und einige Zeit später war sein Ruf und Ruhm schon so stark, daß die Maler- und Bildhauerakademie Hanau ihn zum Mitglied erwählte. Sein Lehrer in der Malkunst war in erster Linie der Kasseler Galerieinspektor Johann Heinrich Tischbein, der noch ganz ein Kind der Kunst seines Zeitalters war und in einer Formen- und Gedankenwelt lebte, die sich in altgewohnten Bahnen bewegten. Schon 1781 siedelte Pforr nach Frankfurt über, wo er leichter Freunde und Gönner, Kunstliebhaber und Unterstützung fand. Im Jahre 1784 gründete er eine eigene Familie, indem er die Schwester seines Kasseler Lehrers Tischbein, Johanna Christiane heiratete. Es waren glückliche Jahre, die er nun in Frankfurt verlebte. Zahlreiche Kunstfreunde bewunderten seine Bilder, und sein Namen war in Frankfurt weit bekannt. Vom öffentlichen und gesellschaftlichen Verkehr hielt sich Pforr, obwohl man ihn sehr schätzte, fern. Nur in der Familie des Frankfurter Großkaufmanns Passavant kehrte er oftmals ein. Diese Familie war damals in Frankfurt in aller Munde. Jean David Passavant und seine Frau hatten für alle Kunst und Künstler ein offenes Herz und offenes Haus, und ihr Reichtum und Wohlstand gab ihnen die Mittel helfend und unterstützend manchen armen Jünger der Kunst unter die Arme zu greifen.

Im Hause Passavant fanden auch die Kinder von Pforr eine Stätte der Erholung, des Spiels und des kindlichen Treibens. Hier im Hause Passavant waren die beiden Brüder Pforr, Heinrich und Franz, tagtägliche Gäste und verlebten heitere und glückliche Kinderjahre. Heinrich Pforr wurde am 15. August 1785  und sein Bruder Franz am 5. April 1788 geboren. Hier im Frankfurter Großkaufmannshause knüpften sich auch die Bande der Freundschaft mit dem fast gleichaltrigen Sohn des Hauses, der wie sein Vater Jean David hieß. Wie einst in der griechischen  Heldensage Orestes und Pylades

treue Freunde blieben in aller Not und Gefahr, so hat auch Jean David Passavant seinem Freunde Franz Pforr die Treue gehalten über das Grab hinaus. Als schwere Schicksalsschläge über das Haus Pforr hereinbrachen und als Franz Pforr in kurzer Zeit Vater und Mutter und Bruder verlor, und arm, verwaist und einsam in der Welt dastand, da war es der junge Passavant, der mit einer grenzenlosen Liebe und Treue sich seines Freundes annahm und ihm ist es wohl zu verdanken,  daß Franz Pforr die Künstlerlaufbahn beschreiten konnte und stets mit lebensnotwendigen Mitteln versehen wurde.

Doch wir greifen schon hinüber in die Lebensgeschichte Franz Pforr und müssen zuvor noch kurz seines Vaters Johann Georg Pforr und seiner Mutter Johanna Christiane Tischbein gedenken. Zahlreiche Malaufträge wurden Johann Georg Pforr zuteil, und seine Bilder fanden in weiten Kreisen Beachtung und Schätzung. Mit feinster Akkuratesse und Akribie malt Pforr seine Tierbilder. Das Pferd ist sein Lieblingstier, und hier ist er ein Meister, der seinesgleichen sucht. Wer seine Bilder kennen lernen will, der besuche das Städelsche Institut in Frankfurt, wo 8 Gemälde von seiner Hand hängen. Zahlreiche Gemälde hat Pforr geschaffen und manche deutsche Kunstsammlung beherbergt ein Stück von ihm. Diese Andeutung mag genügen, um ihn kennen zu lernen. Wahrscheinlich befinden sich auch noch eine Anzahl Pforrscher Gemälde in vergessenem Privatbesitze. Wer aber den ganzen Pforr kennen lernen will, der muß auch seine zahlreichen Zeichnungen und Radierungen sehen, die von seiner Hand stammen.

Frohe, glückliche Jahre künstlerischen Schaffens verlebte Johann Georg Pforr in Frankfurt. Ganz ungetrübt waren allerdings diese Jahre nicht; denn das alte Brustleiden machte ihm mancherlei Beschwerden. Am 9. Juni 1798 starb er, nachdem er bis in die letzte Woche seines Lebens hinein den Pinsel geführt hatte. Seine Frau und seine beiden Söhne standen ziehmlich mittellos da und lebten zunächst noch vom Verkauf vorhandener Gemälde, Zeichnungen und Radierungen. Da das Leben in Frankfurt zu teuer war, zog die Witwe schon bald mit den jungen Söhnen Heinrich und Franz nach Gießen. Dort ist sie bereits im Jahre 1800 gestorben und ließ ihre Kinder vaterlos, mutterlos zurück. Wohl haben die Frankfurter die Mutter unterstützt, sodaß sie ein bescheidenes Auskommen hatte. Nach dem Tode zeigte sich die Hilfsbereitschaft der Frankfurter Bekannten und Freunde in hellem Lichte. Man hatte die Pforrfamilie nicht vergessen und nahm sich jetzt in treuer Liebe der verwaisten Kinder an. Besonders die Familien Passavant und Sarafin haben unendlich viel Gutes an den Kindern getan. Die Vormundschaft der unmündigen Waisen übernahmen Jean David Passavant und der Frankfurter Schöffe Sarafin-Chiron, denen wir es verdanken, daß insbesondere Franz Pforr die künstlerische Ausbildung genießen konnte, die seinen glänzenden Fähigkeiten entsprach.