Die St.Johannes Kirche

 

Wir wissen nicht genau, wann die erste Kirche in Ulfen gebaut worden ist, doch ist zu vermuten, daß bereits in der Zeit der Christianisierung eine kleine Kirche aus Holz gebaut wurde, die später an der gleichen Stelle durch einen Steinbau ersetzt wurde. Diese Kirche war eine Taufkirche und Johannes dem Täufer geweiht, Taufkirchen gelten als die ältesten Kirchen, die sogenannten Urkirchen und standen schon bevor Bonifatius ins Land kam. Unsere Kirche wurde später zu einer Wehrkirche ausgebaut mit einer Ringförmigen Friedhofsmauer. Die letzten Reste dieser Mauer wurde im Jahre 1960 im Zuge der Friedhofserweiterung abgetragen. Der wehrhafte Turm an der Westseite der Kirche stammt aus der unsicheren Zeit des 14. Jahrhunderts, als Kriege und Konflikte zwischen Thüringen und Hessen, sowie den Adligen in unserem Raum immer wieder die Dörfer heimsuchten. Der Turm ist mit Schießscharten versehen, was seine Wehrhaftigkeit noch unterstreicht. Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Turm mit einem Fachwerkaufbau versehen und hat eine Höhe von knapp 20 Meter. Bereits aus dem Jahre 1363 ist die Setzung eines Altars in der Kirche überliefert. Das Kirchenschiff selbst ist in den Jahrhunderten einige Male erweitert worden. Eine Turmuhr war schon vor dem 30 jährigen Krieg angebracht, was die Reparaturkosten aus dem Jahre 1643 belegen, 1645 wird die Kirche neu eingedeckt und in den folgenden Jahren werden immer wieder Reparaturarbeiten und Vergrößerungsmaßnahmen durchgeführt, so im Jahre 1675 als 6 neue Weiberbänke eingebaut wurden. Auch die Emporen für die Männer waren schon sehr früh vorhanden, da 1663 eine neue Säule unter der Empore eingezogen werden mußte. 1790 wurde die Kirche nach Osten erweitert und das Kirchenschiff erhöht, was auf die zunehmende Platznot in der Kirche zurückzuführen ist, außerdem wurde der Altar versetzt. Der alte Taufstein wurde Anfang des 17. Jahrhunderts auf Anordnung des Landgrafen Moritz von Hessen im Zuge einer Kirchenreform, aus der Kirche entfernt und erst bei der Kirchenerneuerung 1983 durch einen neuen Taufstein ersetzt.

Das Alter der ersten Orgel in der Ulfer Kirche ist leider nicht bekannt, erste Angaben finden sich 1721 für Reparatur und Stimmarbeiten an der Orgel, was aber leider auch keinen Aufschluß über die Größe des Orgelwerkes gibt. Im Jahre 1900 wurde eine neue Orgel von der Fa. Euler aus Hofgeismar in der Kirche eingebaut, welche 1983 unter Verwendung der Orgelfassade, vom Orgelbaumeister Nöske aus Rotenburg/Fulda erneuert wurde.

Im Glockenturm der Ulfener Kirche befinden sich heute 3 Glocken, dies war nicht immer so. Wahrscheinlich ist, daß es im Mittelalter nur eine einzige Glocke gab, die noch im 30 jährigen Krieg als die „kleine Glocke“ neben der im Jahre 1600 gegossenen „großen Glocke“ erwähnt wird. Diese „ Große Glocke“ existiert noch heute als besonderes Kleinod in der Kirche von Ulfen. Sie wurde im Jahre 1600 von Herman König in Erfurt gegossen und trägt die Inschrift:

ZU ERFURDT DURCH HERMAN KÖNIGK WARD ICH GEGOSSEN ZUM GEMEINWOLSTANDT DES DORFES OLFFEN IM HESSENLAND IM TAUSENDTSECHS HUNDERTN JAHR  ALS PHARHER WAR DASELBST MAGISTER CHRISTIAN KRÖSCHEL  C ENGEL UND H MULLER HEILGNMEISTER PIPART  SCHULHES CYRIAG SCHMED UND HANS LIES VORRATSMEISTER  AUCH MIT EINSCHLIES DEIN KIRCH UND EHR DU HÖCHSTER HORT WOLST ERHALTEN NAH UND HINFORTT. Darunter im lateinischem Text: ICH, DIE GLOCKE, RUFE NIEMALS TÖRICHTES HINAUS; LOBE DEN WAHREN GOTT, RUFE DAS VOLK; VERSAMMLE DIE GEISTLICHKEIT.

In den Kirchenrechnungen des 17.Jahrhunderts werden „ die kleine Glocke“ und „ die große Glocke“ im Zusammenhang mit kleineren Reparaturen erwähnt. im Jahr 1714 sprang die Kleine Glocke, welche ein Gewicht von 2 ½ Zentner hatte und wurde unter Hinzunahme von weiterer Glockensspeise in eine etwas größere Glocke umgegossen. 1778 wurde eine 3. Glocke angeschafft, die fortan die „ Mittlere Glocke genannt wurde, sie wurde von Johann Schreiber aus Allendorf gegossen. 1850 wurde erneut eine Glocke angeschafft, sodaß von nun an 4 Glocken im Ulfer Kirchturm hingen. Doch schon im ersten Weltkrieg 1914--1918 mußten 3 Glocken für Kriegszwecke abgeliefert werden und wurden eingeschmolzen, nur die „ Große Glocke von 1600 blieb erhalten. Im Jahre 1921 erwarb die Politische Gemeinde für 19775,-Mark 2 neue Glocken, wiederum von der Glockengießerei König aus Erfurt und am 29 Dezember 1935 wurde wieder eine 4. Glocke geweiht, sie trug die Inschrift: HEUTE, SO IHR MEINE STIMME HÖRET, SO VERSTOCKET EURE HERZEN NICHT. Doch auch diesen 3 Glocken war kein langes Verbleiben im Turm der Ulfer Kirche beschieden, bereits kurz nach Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939, mußten sie zum Einschmelzen abgeliefert werden. Wieder war es die „ Große Glocke“ die auch diesen Krieg überstand, und bereits 1950 konnten unter Mithilfe eines Glockenvereins, welcher vom Malermeister Wilhelm Liese gegründet wurde und Spenden sammelte am 5. 3. 1950, 2 neue Glocken in Gebrauch genommen werden. Die kleinere der Glocken wiegt 265 Kilo und trägt die Inschrift: SEID FRÖHLICH IN HOFFNUNG, GEDULDIG IN TRÜBSAL, HALTET AN AM GEBET. Diese Glocke läutet am Morgen, Mittag und Abend, während die zweite Glocke 370 Kilo wiegt, die Inschrift: DIE LEBENDEN RUFE ICH, DIE TOTEN BEKLAGE ICH, UND DIE IRRENDEN ERMAHNE ICH: trägt. Sie ist mit der Turmuhr verbunden und schlägt mit einem Hammer die halben und die vollen Stunden an. So besitzt die Kirche von Ulfen seit 1950 wieder ein harmonisches Dreiergeläut.

Das Kirchspiel Ulfen ist wohl seiner Bedeutung als Gerichts und Verwaltungsmittelpunkt entsprechend, schon seit Beginn der Christianisierung, Sitz eines Pfarrers gewesen. Zur Zeit der Grundherrschaft durch das Kloster Hersfeld hat sich das Kirchspiel über den gesamten Herrschaftsbereich, vermutlich auch über Breitau, erstreckt, wo die Höfe im Gangestal seit 993 und Breitau seit 1260 als Besitz des Klosters Hersfeld aufgeführt werden. Auch Wölfterode gehört seit seiner Gründung im 13. Jahrhundert zum Kirchspiel Ulfen, ebenso Blankenbach, welches aber durch die Herren von Baumbach von 1560 bis 1856 nach Nentershausen eingepfarrt waren. Wann das erste Pfarrhaus in Ulfen erbaut wurde ist nicht überliefert, wohl aber daß es von den Kroaten 1634 niedergebrannt wurde. Bereits 1650 wurde es wieder errichtet und 1856 durch ein neues ersetzt, das auch heute noch als Pfarrhaus dient. Die Liste der Pfarrer von Ulfen ist lang und reicht bis in das Jahr 1260 zurück. Damals wird ein Pfarrer Hermann als Mitunterzeichner der Schenkungsurkunde von Breitau genannt. Auch hat der Pfarrer seinen Dienst hier nicht alleine versehen, denn 1302 wird der „Viceplebanus (Vizepfarrer ) Henrich von Olfena als Zeuge genannt.

 

Um 1300  Hermannus von Boyneburg

1336         Heymeradus

1526 - 1565    Conrad Spilner

1565 - 1568    Johannes Stein

1567-              Hans Gerlach

1569 - 1587    Ludovicus Erasmus

1572               Cyriakus Pforr

1587 - 1623    Christian Kröschel

1623 - 1635    Johannes Bornemann

1635 - 1643    Gottfried Capsius

1643 - 1672    Stephan Winter

1672 - 1673    Caspar Winter

1673 - 1700    Daniel Deumel

1701 - 1730    Johannes Gleim

1730 - 1733    Friedrich David Hartert

1733 - 1746    Johann Kaspar Mansius

1747 - 1751    Justus Philipp Münscher

1751 - 1775    Johann David Bornmann

1775 - 1792    Johann Henrich Reinemann

1793 - 1801    Heinrich Wilhelm Simon

1801 - 1811    Johann Jakob Franke

1812 - 1824    Nikolaus Collmann

1824 - 1837    Friedrich Becckmann

1837 - 1838    Johann Adam Rüppel                     Pfarrverweser

1938 - 1839    Heinrich Wilhelm Altmüller                     „

1839 - 1841    August Andreas Methe                               „

1841 - 1842    Gustav Georg Reinhard Quentel                „

1842 - 1844    Philipp Schuchard                                      „

1844 - 1853    Konrad Schirmer                                        „

1853 - 1856    Friedrich Wilhelm Theodor Rhode            „

1856 - 1864    Karl Friedrich Julius Witzel                       „

1864 - 1866    Ernst Friedrich Gerlach                               „

1866 - 1890    Ferdinand Karl August Gustav Johannes Drechsler

                       genannt „ Schnackenberg“

1890 - 1891    Karl Rudolf Bansmann                   Pfarrverweser

           1891    Wilhelm August Metz                                „

1891 - 1903    Jakob Philipp Christian Adolf Kappes

1904 - 1911    Friedrich Wilhelm August Heppe

1912 - 1932    Karl Christian Gipper

1935 - 1946    Karl Jakob Hilmes

1947 - 1977    Albert Schlenker

     bis  1980   Vakanzvertretung durch Albert Schlenker

1980 - 1986    Michael Bedbur

1986 - 1987    Vakanzvertretung durch Pfr. R. Haas, Sontra

1987 - 1989    Eckhardt Kleppe

1989 - 1990    Vakanzvertretung durch Fr. Pfr. G.Dück, Solz

1990 - 1999    Matthias Heinisch

1999 - 2003    Doris Weiland

2003 - 2006    Hannah Schwarz-Richter

2006 - 2016    Andrea Fugmann-Szugfill