Der Interessentenwald Ulfen.

Wo kommt unser Gemeinschaftswald her? Wie wurden wir Eigentümer dieser Wälder?

 


Dazu müssen wir sehr weit ausholen, weit über das Ersterwähnungsdatum von Ulfen aus dem Jahr 775 hinaus. Schon lange bevor die Mönche aus dem Kloster Hersfeld den Ort Olfenaha in Besitz nahmen wohnten hier Menschen, welche hier ihre Behausungen bauten und ihre Nahrung fanden. Wer es im einzelnen war im Laufe der Jahrhunderte, Germanen, Kelten, Thoringer oder Hermanduren, mit der Christianisierung kamen auch noch fränkische Siedler ins Land ,kann nicht mit letzter Sicherheit beantwortet werden. Wir wissen nur, daß nach germanischem Recht aller Grund und Boden Gemeinschaftseigentum war. Privatbesitz war nur Haus, Hof und Garten. Wald, Wasser und Weide aber waren Gemeinschaftseigentum.

Dabei wurde der Wald nicht nur zur Holznutzung gebraucht, sondern auch zur Weide für das Vieh. Die Dorfgemeinschaft bestand dabei aus dem inneren Dorfraum, der Feldmark und der Waldmark. Daraus entstanden dann die sogenannten Markgenossenschaften. Markgenosse konnte werden wer ein „Eigenes Feuer“ , in anderen Gegenden auch „ Eigener Rauch“ genannt, besaß. Daß neben der Nutzung von Wald und Weide noch ein Eigentumsbegriff bestehe war nicht vorstellbar.

Gegen Ende des Mittelalters setzte sich dann nach und nach das ganz anders gestaltete römische Eigentumsrecht, welches das Recht auf Privateigentum hervorhebt, durch. Was war geschehen? Kaiser und Könige welche jetzt alleinige Eigentümer des gesamten Grund und Boden waren, vergaben große Teile ihrer Ländereien und Waldungen als Schenkungen oder Lehen an ihre Gefolgsleute und Vasallen für ihre Dienste. Auch die Kirche bekam immer mehr Einfluß auf Grund und Boden. Der Erzbischof von Mainz hatte zeitweise mehr Macht als der regierende Herrscher. Als Beispiel für die Vergabe von Lehen an Adlige können wir hier in unserer Gegend die Familie von Baumbach auf der Tannenburg bei Nentershausen ansehen. Ihre Besitzungen reichten von Gerstungen über Bebra, Sontra und alles Gebiet welches westlich der Ulfe lag.

Die Waldungen aus welchen die Bewohner der Dörfer und Städte ihr Bauholz und Brennholz bezogen, waren dadurch erheblich kleiner geworden. Auch wurden jetzt große Flächen welche früher als Weideland gedient hatten gerodet und zu Ackerland umgewandelt. Die Rodungen haben die Waldfläche damals erheblich verkleinert, doch da es sich in der Mehrheit um Huteflächen gehandelt hatte, wurde dadurch der Holzvorrat in den Wäldern kaum verändert.

Das änderte sich jedoch als Handel und Gewerbe im 14. und 15. Jahrhundert aufblühten. Städte wurden gegründet und Fachwerkhäuser gebaut, von denen wir heute noch viele bewundern können. Doch jetzt wurde der Holzvorrat, vor allen Dingen Eichenholz mit einem mal knapp. Ende des 15. Jahrhunderts beklagte der Hofmeister“ Hans von Dörnberg“: „ Dem Hessenlande fehlt nichts so sehr, wie tüchtig Eichenbauholz und kluge Köpfe.“ Landgraf Philipp der Großmütige (1509-1567) hat schon 1532 den Aufbau einer geordneten Forstverwaltung angeordnet mit der Begründung:“ Nachdem dann die Wälder und Gehölze durch übermäßige und unnotdürftige Bauten in den Städten und Dörfern fast verwüstet und öde sind.“ Dabei ist zu bedenken dass bei dem damaligen Waldzustand im günstigsten Fall 40 Festmeter Holz auf den Hektar geschlagen werden konnten.

Dazu kam dass immer wieder Wehrbauten, Bürger-, und Bauernhäuser mit Nebengebäuden durch die ständigen Fehden, Kriege und Feuersbrünste zerstört und wieder neu aufgebaut werden mussten. Schnellwachsende Holzarten wie die Fichte waren damals noch fast unbekannt. Sehen wir uns nur einmal in Ulfen um, wie viel Eichenbauholz an den großen Bauernhäusern verbaut wurde.. Ein Beispiel ist die Obermühle, welche als Baumbachsches Vorwerk im Jahr 1596 niedergebrannt ist und 1598 mit Eichenholz aus den Pfaffenbirken im Giesenhain wiederaufgebaut wurde. Die von Baumbach haben in den Pfaffenbirken, um deren Besitz die Ulfer Bauern gegen die von Baumbach vor Gericht zogen, Eichen geschlagen, aus welchen dann die Schwellenkränze für Baumbachsche Häuser in Weisenhasel gefertigt wurden. Oder wer kennt noch die riesige, zweistöckige Scheune auf der Meierei, aus wie viel Festmeter Holz die erbaut war? Auch das Futter für die Tiere konnte nicht mehr aus allen Wäldern geholt werden wie es die vorhergehenden Generationen getan hatten. Wenn Ulfer Frauen beim Eicheln sammeln in den Pfaffenbirken erwischt wurden, mussten sie dieselben an die Baumbachschen Holzknechte abliefern und wurden mit Knüppeln aus dem Wald vertrieben. Zur Hute durfte nur noch der Schäfer aus dem Baumbachschen Dorf Blankenbach in den Wald. Wurden dagegen Ulfer Bürger beim Holz sammeln im Giesenhain erwischt, so wurde ihnen ihr Handwerkszeug, Äxte und Hacken abgenommen und sie wurden blutig geschlagen aus dem Wald gejagt. Außerdem wurde beim Amtmann in Sontra noch Klage gegen sie erhoben. Das Bau- und Brennholz aus den herrschaftlich, landgräflichen Waldungen wurde früher nach Bedarf abgegeben, Als Gegenleistung mussten an die herrschaftliche Renterei Dienste geleistet werden und Naturalien, in der Regel Getreide, Hühner und Gänse abgeliefert werden.

Durch die landgräfliche Forstverwaltung wurden nun Forstbeamte eingesetzt, welche den Holzeinschlag kontrollierten und dafür ein Forstgeld kassierten. Ab 1553 wurde das Brennholz nur noch nach Maß, das heißt geklaftert abgegeben. 1 Klafter Holz betrug ursprünglich 5,1 Raummeter Holz, später nur noch 3,6 Raummeter. Bauholz wurde Stammweise berechnet und dem „ Armen Mann“ wurden Ermäßigungen zugestanden. In Ulfen gab es neben denen von Baumbach noch die Güter und Vorwerke derer von Welda, von Butlar, von Phauwien, Appel Appe und die zu Kolmetsch. Dazu gehörten auch Waldungen in denen der „Gemeine Mann“ nichts zu suchen hatte. Im Erbregister der hessischen Landgrafen aus dem Jahr 1447 steht geschrieben: „ Dies ist die Gerechtigkeit meines Herrn in Ulfen. Daselbst hat mein Herr ein eigenes freies Vorwerk das er dem Hans von Welda abgekauft hat. Dazu gehören ungefähr drei Hufen Land, die mein Herr selbst bearbeiten lässt. Schaftrift, Wasser, Weide, Holz und Feld, Gebot und Verbot, auch der Dienst und alle Gerichte sind meines Herrn. Daraus können wir ersehen welchen großen Einfluß der Landgraf auch hier in Ulfen hatte.

Mit den Forstregeln von ^1553 wurden auch die Besitzrechte neu geregelt. So brauchten Städte und Dorfschaften welche den Besitz ihrer Waldungen mit Brief und Siegel nachweisen konnten, kein Forstgeld zu zahlen. Städte und Dörfer welche den „Eigenen Gebrauch“ über 200 bis 300 Jahre mit Brief und Siegel nachweisen konnten, zahlten nur das „Halbe Forstgeld“. Hier wird erstmals der Begriff des „Halbe Forst“ oder „ Halbe Gebrauchs“ erwähnt. Das heißt, daß die Gemeinde mit ihren Bürgern zur Hälfte an den herrschaftlichen Waldungen beteiligt war und nur die Hälfte des Forstgeldes bezahlen musste. Natürlich war es für den Großteil der betroffenen Gemeinden fast unmöglich dieses nachzuweisen, aber durch diese Forstverordnung wurden die Eigentums- und Nutzungsrechte der Dorf- und Stadtbewohner, zwar nunmehr bemessen, aber immerhin erhalten. Jetzt gab es in Ulfen also Landgräflich - Herrschaftlichen Wald, Adeligen Wald und Gemeindewald an dem die Dorfbewohner, welche ein „Eigenes Feuer“ hatten ihren Nutzen hatten. Der Gemeindewald war also nur zur Hälfte Eigentum der Dorfbewohner, die andere Hälfte war landgräflich.

In Ermangelung eigenen hohen Waldes trieb die Gemeinde ihre Schweine auch in die „Halbe Forst“ Adelig Baumbachschen Waldungen, in das sogenannte Haspelrode oder Kulmerich, Dermersberg und Giesenhain. Die Hute und Weidegerechtigkeit hatte jetzt die Gemeinde in so weit allein, bis auf den Hermeröder Distrikt, wo die Gemeinde Wölfterode die Hute exventiert.

Durch den Wiederaufbau des Landes nach den Verwüstungen des 30jährigen Krieges wurden die Wälder so in Mitleidenschaft gezogen, dass sich Landgraf Karl genötigt sah, durch eine Forstverordnung vom 30. Mai 1711 alle „ Gemeinde Gehölze“ „Ganze oder halbe Gebräuche“ unter Forstaufsicht zu stellen. Auch in Ulfen standen nach dem 30jährigen Krieg nur noch 16 Häuser. Die Forstaufsicht war unendgeldlich, jede Stadt oder Dorfschaft behielt ihr hergebrachtes Holzungsrecht. Diese Unterstellung unter Forstaufsicht wurde im neuen hessischen Forstgesetz von 1954 bestimmend für die Zuordnung zum Gemeinschaftswald.

In der Zeit der französischen Herrschaft über Hessen – Kassel (1806 - !813) sollten, da die Staatskassen stets leer waren, alle Halbegebrauchswaldungen zu Staatswaldungen erklärt werden und die Gemeinden nur noch als Nutzungsberechtigte betrachtet werden. Einsichtige hessische Forstbeamte welche die Wälder betreuten, haben sich dagegen aufgelehnt und somit viel Unheil vermeiden helfen. Ab Ende der Freiheitskriege ist die kurhessische Regierung bemüht Klarheit über die völlig undurchsichtigen Eigentums- und Nutzungsverhältnisse der Mitgebrauchswaldungen zu schaffen. Die Frage nach dem Ursprung der „Halben Gebrauchs Waldungen“ konnte damals von niemanden beantwortet werden und 1827 wird resignierend festgestellt: „Die angestellten Nachforschungen über die Entstehung und Verhältnisse der Halbegebrauchswaldungen sind unbefriedigend ausgefallen, da sich der Ursprung dieser Berechtigten zu weit in die Vorzeit erstreckt, wo man dergleichen nie so bestimmt anzugeben pflegte.“

Klarheit brachte erst die Einverleibung Hessens in die preußische Monarchie. Bereits im Mai 1867 wurde eine „ Verordnung zur Teilung der Gemeinschaften und die Zusammenlegung der Grundstücke für das ehemalige Kurfürstentum Hessen“ erlassen. Durch Ergänzungsgesetze von 1876 und 1881 wurde die Teilung der gemeinschaftlichen Wälder verboten oder nur bei bestimmten Voraussetzungen gestattet. Bis zum 1. Mai 1881 also 14 Jahre nach der Verordnung waren 63,4 Prozent der Gesamtfläche durch Rezeß reguliert. Von der Gesamtfläche bekam der Staat 25,3 Prozent und die Nutzungsberechtigten 74,7 Prozent zugesprochen, An Geldentschädigungen mussten die Nutzungsberechtigten rund 1 Million Mark an den Staat zahlen, während sie selbst rund 1,4 Millionen Mark als Ausgleich erhielten.

Die Einwohner von Ulfen haben seitdem ihren Anteil am unteilbaren Interessentenwald und am Gemeindewald den halben Nutzen.

Durch die preußische Staatsmacht wurde jetzt der Adel in Hessen radikal entmachtet. Alle Lehen und Erblehen mussten an das Land Hessen zurückgegeben werden. Das bedeutete beispielsweise für die von Baumbach zu Nentershausen, dass sie 13/16 ihrer bisherigen Bewirtschaftungsfläche abtreten mussten.

Am 13. Mai 1869 begannen in Ulfen die Verhandlungen über die „Ablösung der Servituten und Privatheiten in Ulfen“ und wurden am 27. November 1878 unterzeichnet. Die Originalakten über diesen Rezeß von Ulfen liegen im Staatsarchiv in Marburg und wurden vom Schreiber dieser Abhandlung im Originaltext abgeschrieben. Nach der neuesten Grundsteuerkarte von Ulfen von 1878 beträgt die Gesamtfläche des Eigentums der Waldinteressentengemeinschaft Ulfen 101 Hektar, 14 Ar, 30 Quadratmeter. Diese Fläche wird auch in einem Grundbucheintrag vom 7. April 1891 bestätigt. Auch im Kaufvertrag von1891 der Witwe Schreiber und Georg Buchenau aus Ulfen wird diese Fläche ausgewiesen.

Aus dem Jahr 1890 gibt es ein Abschätzungswerk der Gemeinde und Interessenten -Waldung. – Waldbeschreibung. Es lautet:

In der Gemarkung der politischen Gemeinde Ulfen bestehen ein Gemeindewald und ein Interessentenwald nebeneinander. Gemeindenutzungsberechtigte und Interessenten decken sich in Bezug auf Zahl und Person fast vollständig.

Der Ulfener Gemeinde- und Interessentenwald liegt in 51 Grad nördlicher Breite und in 27 Grad östlicher Länge im Kreise Rotenburg. Er gehört zur Königlichen Oberförsterei Reichensachsen.

Der Interessentenwald besteht aus 6 Parzellen.

Auf`n Thal, der Thalrain, das Thal mit 19, 602 Hektar

Steinbühl       mit   7,589 Hektar

Aus allen geht hervor, dass man dem Walde das Thalrain angewiesen hat, welches wegen ungünstiger Bodengestaltung und Hochlage und wegen zu großer Entfernung vom Dorfe sich zur landwirtschaftlichen Benutzung wenig eignete.

Der Interessentenwald umfasst eine Fläche von:

78, 7150 Hektar wovon

12,4887 Hektar Blößen

Vor der Verkoppelung waren derselbe 101,1430nHektar groß.

Er hat demnach einen Flächenabgang von 22,4280 Hektar.

Der Flächenabgang dürfte sich erklären durch den Austausch verschiedener Bonitäten gegeneinander, von Ackerflächen gegen absoluten Holzboden.

Von mit holzbestockten Flächen gegen hölzerne Blößen.

Der Flächenabgang im Interessentenwald dürfte sich aus der Ablösung der früheren „Halbe Forst“ Berechtigten durch Landentschädigung hinreichend erklären. Beschützt wird der Wald vom einarmigen Wald- und Feuerschütz aus Ulfen.

Dann kommt in den Jahren 1893/94 die erste Flurbereinigungsmaßnahme, auch Separation genannt, in Ulfen. Alles Eigentum wird jetzt in einen großen Topf geworfen und dann neu verteilt. Die Flurbereinigung war auch dringend nötig, denn die Flur war durch Erbteilung in lauter kleine Parzellen zerstückelt. Der damalige Bürgermeister Gerlach von Ulfen schrieb an den Landrat: „ Ich besitze über 100 Acker Land welches aufgeteilt ist auf 400 Parzellen.“

Nach der Neuverteilung der Äcker, Wiesen und Waldflächen war der Interessentenwald plötzlich nur noch 78Hektar, 01 Ar, 26 Quadratmeter groß. Das sind über 23 Hektar Fläche weniger als vor der Flurbereinigung. War das Eigentum der Waldinteressenten vorher an 17 Parzellen, so sind es nunmehr 25 Stücke Holzung, Äcker und Weide. Auch wurde die Anzahl der Interessentenanteile um 1 Anteil auf 119 Anteile aufgestockt. Auf die Beschwerde der Waldinteressenten hin wurde ihnen mitgeteilt, die Verkleinerung der Flächen hätte sich auf Grund des besseren Holzbodens in den neuen Flächen ergeben. Verwaltet wurde der Interessentenwald bis in die 30.ger Jahre des vorigen Jahrhunderts von jeweiligen Bürgermeister der Gemeinde, welchem auch die Verwaltung des Gemeindewaldes unterstand.. Auch die Kassengeschäfte wurden von der Gemeindeverwaltung getätigt. Der Holzeinschlag wurde vom Bürgermeister gemeinsam mit dem Forstbeamten, welcher auf dem Forstgut Erdmannshain wohnte, festgelegt. Eingeschlagen wurde das Holz in der Regel von Maurern und Bauarbeitern, welche im Winter arbeitslos waren. Auch der einarmige „Waldschütz“ Gerlach wurde zu gleichen Teilen von der Gemeinde und den Waldinteressenten bezahlt.

Zu dieser Zeit betrieben die Waldinteressenten im Keudelsberg einen Pflanzgarten und eine Sandgrube, außerdem hatten sie am Steinbühl einen Kalkschotter Steinbruch.

!933 traten die Waldinteressenten dem hessischen Waldbesitzerverband bei und 1936 wird erstmals ein Mann Namens Setzkorn als Waldvorsteher benannt,. Leider gibt es aus dieser Zeit keine Aufzeichnungen.

Am 15. 12. 1953 fand die erste Generalversammlung der Waldinteressentengemeinschaft nach dem Krieg statt. Waldvorsteher und zugleich 1. Vorsitzender war jetzt der Landwirt Karl Hoßbach aus dem Unterland. Er legte den Kassenbericht für die Jahre 1948, 1949, 1950, 1951 und 1952 vor und bekam dafür Entlastung erteilt. Bei der anschließenden Neuwahl wurde Karl Hoßbach für weitere 6 Jahre wiedergewählt.

Bei der nächsten Generalversammlung am 15. Februar 1960 gab der Vorsitzende den Kassenbericht für die Jahre 1953 bis 1959 bekannt. Dabei wurde festgestellt, dass ein erheblicher Kassenbestand vorhanden war. Daraufhin wurde beschlossen dass für die Jahre

1956 je Anteil 100,- DM verteilt werden sollten --------macht bei 119 Anteilen 11.900 DM

1957 je Anteil 110,-DM verteilt werden sollten           macht bei 119 Anteilen 13.090-DM

1958 je Anteil 35.- DM verteilt werden sollten           macht bei 119 Anteilen   4.165 DM

Außerdem wurde für die Jahre 1958 und 1959 das anfallende Brennholz kostenlos abgegeben, was nach vorsichtiger Schätzung einen Wert von cirka 10.000,- DM ausmachte. Der Gesamtwert dieser Ausschüttung betrug 39.155,-DM, ein warmer Regen für die Waldinteressenten.

Im Jahr 1954 wurde auf der Westseite des Ottilienberges ein neuer Weg gebaut, da die Holzabfuhr vom unteren Weg her zu beschwerlich war. Bei dieser Maßnahme musste jeder Waldinteressent für einen Tag eine männliche Arbeitskraft pro Anteil zum Hand- und Spanndienst stellen. Anteilshaber welche keine Arbeitskraft stellen konnten, mussten je Anteil 8,- DM in die Interessentenkasse zahlen. Auch wird hier erstmals erwähnt, daß der „Blinde Müller“ das Benutzungsgeld für die Quelle am Hermeröderberg / Ottilienberg noch bezahlen muß.

Der Steinbruch am Steinbühl wird an die Gemeinde Wölfterode verpachtet.

1955 wurde zum Neubau der Schule im Attich eine Spende von 250,- DM von den Waldinteressenten geleistet.

!957 wurde die Aufwandsentschädigung für den Waldvorsteher von 50,- DM jährlich auf 80,- DM angehoben.

Mit dem Forstmeister des Forstamtes Nentershausen wird ein Beförsterungsvertrag für den Interessentenwald abgeschlossen, die Beförsterung führt Revierförster Fitzner durch.

Ab 1962 erfolgt die Abgabe von Brennholz an die Anteilseigner nicht mehr kostenlos, für den rm Buchenscheitholz mussten jetzt 10,- DM bezahlt werden. Der rm Kiefernholz kostete 8,- DM, Eiche und Eichen/Buchenknüppel kosteten ebenfalls 8,- DM der 5 rm Haufen Buchenreisholz kostete 5,-DM.

Am 21. 2. 1963 fand eine Generalversammlung der Waldinteressenten statt, bei der 101 Anteilshaber und 3 Gäste anwesend waren.

Tagesordnungspunkt 2 war: „ Die Auflösung des Interessentenwaldes Ulfen“.im Zuge des Flurbereinigungsverfahrens auf Antrag einiger Mitglieder des Flurbereinigungsvorstandes. Bei der Abstimmung über den Antrag stimmten 96 von 100 Mitgliedern gegen eine Auflösung des Interessentenwaldes. Auch eine Abtretung von Flächen wurde abgelehnt, ebenso der Ankauf von Aufforstungsflächen.

Im Umlegungsverfahren der Flurbereinigung wurde auch das jahrhunderte alte Nutzungsrecht am Gemeindewald, welche auf das „Halbe Forstrecht“ zurückging, ersatzlos gestrichen.

Eine für den 6. Februar 1967 anberaumte Generalversammlung mit Neuwahlen des Vorstandes konnte wegen der Maul- und Klauenseuche nicht durchgeführt werden.

An Flurbereinigungskosten sind im Jahr 1967 insgesamt 17.534. 45DM zu bezahlen.

Bei der Neuverteilung der Land und Waldflächen wird den Waldinteressenten ihr nunmehriger Besitz zugeteilt. Die Gesamtfläche beträgt jetzt 81 Hektar, 27 Ar, 86 Quadratmeter auf Grund des Rezesses vom 15. 2. 1967. Das sind zwar über 3 Hektear mehr als vor der Flurbereinigung, jedoch wurden auch Wege und das Flussbett des „Alte Weißt“ vom Abzweig Grandenbörner Tal bis zur Rendaer Gemarkungsgrenze hinzugerechnet.

Am 28. April 1967 legt der bisherige Vorsitzende Karl Hoßbach sein Amt nieder und Ernst Bodenstein aus der Untermühle wird zum neuen Waldvorsteher gewählt.

Der Rechtsanwalt Heinrich Görk aus Kassel will sein Anteil am Interessentenwald verkaufen, da er seinen Wohnsitz nach Kassel verlegt hat und hat es der Gemeinschaft zum Kauf angeboten. Auf einen Kauf wird aus Kostengründen verzichtet und Heinrich Görk der Verkauf an andere Privatpersonen freigestellt.

Die Aufwandsentschädigung für den Waldvorsteher wird nunmehr auf 120,- DM jährlich angehoben.

Im Januar 1973 tritt die Waldinteressenten Gemeinschaft Ulfen der Forstbetriebsgemeinschaft Ringgau bei.

In den Jahren 1978 und 1979 wird aus Mangel an Holzhauern im Interessentenwald kein Holz geschlagen. In den vorhergehenden Jahren hatten diese Arbeit Interessentenmitglieder verrichtet.

1979 werden im Tal 500 Meter Weg, von der Firma Heyn aus Breitau ausgebaut.

Die Aufwandentschädigung für den Vorsteher beträgt jetzt 300,- DM jährlich.

1980 wird erstmals von einzelnen Waldinteressenten auf Brennholz verzichtet, sie sollen mit 35,- DM je Raummeter abgefunden werden.

1984 wurde von der Firma Reinhardt aus Breitau eine neue Motorsäge für die Irteressentengemeinschaft gekauft, der Preis betrug 1,300,- DM.

1986 wird von der Erstellung einer neuen Satzung für die Waldinteressentengemeinschaft wegen zu hoher Kosten Abstand genommen.

1987 wurden im Sandberg 900 Buchensetzlinge gepflanzt, da keine Umzäunung vorhanden war, ist die Aussicht auf Erfolg gering, da der Wildverbiß zu hoch ist.

1991 fand erstmals eine Kalkung des Waldes auf Sandböden statt um den Schäden durch    „ Sauren Regen“ entgegen zu wirken. Gekalkt wurden der Keudelsberg und der Sandberg mittels starker Gebläse auf LKW montiert. Die Kosten dafür beliefen sich bei 80 % Bezuschussung auf 1300,- DM für die Waldinteressenten.

Im Tal wurden auf der Freifläche unterhalb des Weges 1300 junge Buchen angepflanzt. Da immer mehr Haushaltungen von Waldinteresseten ihre Heizung auf Öl umstellen, ist die Nachfrage nach Brennholz nicht mehr bei allen Waldinteressenten gegeben und Anteile des Interessentenwaldes werden zum Verkauf angeboten.

Im August 1996 stellt die Mobilfunk Firma „ E- Plus“ einen Antrag auf Errichtung eines Funkmastes auf dem Keudelsberg.

Am 17. 1.1996 legte Waldvorsteher Ernst Bodenstein sein Amt als Vorsitzender der Waldinteressentengemeinschaft Ulfen nach 29 Jahren nieder. Für diese langjährige Tätigkeit überreicht ihm sein Nachfolger Eduard Michael eine Ehrenurkunde des hessischen Waldbesitzerverbandes

Zu seinem Nachfolger wird Eduard Michael gewählt, welcher bereits seit 18 Jahren als Rechner für die Waldinteressenten tätig ist. Unter seiner Führung , gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern wurde nun eine neue Satzung für die Waldinteressentengemeinschaft Ulfen erarbeitet, beim Amtsgericht in Eschwege zur Prüfung vorgelegt und von der Generalversammlung einstimmig angenommen.

Bürgermeister Büchling von der Stadt Sontra spricht sich gegen den Bau eines Sendemastes von E-Plus auf dem Keudelsberg aus, da sich die Bürger von Wölfterode dagegen auflehnen, da sie bereits einen Sendemast auf dem Mühlberg auf der gegenüberliegenden Seite des Dorfes stehen haben und die Gefahr von Strahlungsschäden zu groß erscheint.

Daraufhin wurde der Standort Ottilienberg vorgeschlagen und vom Vorstand genehmigt. Auch die untere Naturschutzbehörde stimmt dem Bau zu, obwohl der Bauplatz im Landschaftsschutzgebiet liegt. Der mit E-Plus abgeschlossene Vertrag wird auf den Standort Ottilienberg übertragen.

E – Plus übernimmt alle Kosten für die Erstellung und Druck der neuen Satzung, von der jeder Teilhaber ein Exemplar übereignet bekommt. Im Vertrag wurde ein Passus ausgehandelt, welcher den Waldinteressenten zusätzliche Einnahmen in Höhe von 25 % der Mieteinnahmen durch weitere Nutzer des Funkmastes zubilligt. Der Bau des Funkmastes auf dem Ottilienberg war aber auch in Ulfen umstritten. Einige Bewohner befürchteten Gesundheitsschäden für Mensch und Tier.

Am 9. 6. 1996 fand erstmals ein Waldbegang im Interessentenwald statt, Der Waldvorsteher hatte dazu eingeladen um den Miteigentümern und interessierten Gästen, den Wald wieder etwas näher zu bringen und zu zeigen, dass der Wald nicht nur Holzlieferant, sondern auch ein Stück Natur für uns Alle ist. Zur Führung auf und durch das Rendaer Tal hatten sich zirka 80 Interessierte aus Ulfen und Umgebung, unter ihnen auch Otto von Boyneburg, der 1. Vorsitzende der Forstbetriebsvereinigung Ringgau, eingefunden. Während des Rundgangs gab Forstamtmann Kohl Erläuterungen zu Holz und Waldbau, Dietmar Gümpel aus Wölfterode war für die Botanik zuständig und Gerhard Methner sprach über die Tiere in unserem Wald. Zum Ende der Veranstaltung gab es einen Imbiss und einige Lieder des Männergesangvereins. Auch im Juni 1997 fand wieder ein Waldbegang im Interessentenwald statt. Er führte die Teilnehmer rund um und auf den Ottilienberg. Bereits zum Waldgottesdienst durch Pfarrer Heinisch hatten sich 150 Teilnehmer eingefunden, unter ihnen der Männergesangverein, der Frauenchor und die Ulfener Jungs, welche die Veranstaltung musikalisch begleiteten. Auch die „Experten Kohl, Gümpel und Methner waren wieder dabei.

Dann musste der Weg zum Standort des Funkmastes von den Waldinteressenten ausgebaut werden, so daß er für schwere Fahrzeuge beim Bau des Mastes befahren werden konnte. Die Kosten für diese Wegebaumaßnahme übernahm ebenfalls E-Plus.

Bei Baggerarbeiten am „Tanzplatz „ wurden Tonscherben und Reste von verbrannten Lehm gefunden, welche nach Angaben von H. Dr. Sippel vom hessischen Denkmalschutz, vom Klausnerhäuschen bei der Kapelle auf dem Ottilienberg stammen.

Auf Anordnung der unteren Naturschutz- Behörde musste der Weg vom Funkmast bis zum Tanzplatz nach Beendigung der Baumaßnahme wieder zurück gebaut werden. Mit dem anfallenden Schotter wurde der Weg nach hinten in den Ottilienberg befestigt. Außerdem wurde der Mittelweg am Westhang mit einem Bagger zur Holzabfuhr verbreitert.

Die Abgabe von Brennholz erfolgt nun wieder unendgeldlich. Da die Preise auf dem Holzmarkt deutlich gestiegen sind und auch genügend Stammholz eingeschlagen wird.             Auch machen sich schon die Mieteinnahmen vom Sendeturm in der Interessentenkasse bemerkbar.

Ab 1998 werden in verstärktem Maße Anteile am Interessentenwald verkauft. Die meisten Anteile kauft die Familie Ganske aus Holzhausen. Bis zum Jahr 2009 hat die Familie Ganske bereits 19 Anteile aufgekauft.

1998 wird im Ottilienberg Edellaubholz freigestellt. Diese Maßnahme betrifft bei uns die Baumarten Elsbeere, Bergahorn und Wildkirsche. Der Hektar durchforstete Fläche wird mit 400,-DM bezuschusst.

1999 meldet sich Herr Dr. Sippel von der Denkmalschutzbehörde in Marburg und weist mündlich und schriftlich darauf hin, dass der „Tanzplatz“ auf dem Ottilienberg unter Denkmalschutz steht, da hier bis in das 16. Jahrhundert eine Kapelle stand , welche der heiligen Ottilie, der Schutzheiligen der Blinden und Sehbehinderten geweiht war.

1999 findet wieder ein Waldbegang durch den Interessentenwald statt. Diesmal führt die Route durch das Gefäll, den Hasenkopf und den Sandberg. Mit zirka 80 Teilnehmern wieder eine gelungene Veranstaltung. 2000 wird den Waldinteressenten ein angrenzendes Landstück am Sandberg in Größe von 1 ½ Hektar zum Kauf angeboten, der qm Preis sollte 1,-DM betragen. Eine Aufforstungsgenehmigung des Forstamtes lag schon vor, doch leider haben einige wenige Waldinteressenten gegen den Kauf gestimmt, welcher nur bei Zustimmung aller Miteigentümer möglich gewesen wäre.

Im Ottilienberg wird erstmals eine kleine Waldfläche eingezäunt um Buchen- und Ahornaufwuchs vor Wildverbiß zu schützen. Der Waldvorstand hatte sich über die kleinflächigen Einzäunungsmaßnahmen im Grandenbörner Interessentenwald informiert und war erstaunt wie schnell Selbstverjüngung funktioniert, wenn das Rehwild von den Flächen ferngehalten wird. So wurden im Tal und im Ottilienberg weitere Flächen unter Mithilfe der Waldinteressenten und der Jäger von Ulfen eingezäunt.

Zum Schutz der Buchenwälder auf Kalkboden in Hessen sind auch im Interessentenwald Flächen vom Ottilienberg und Hasenkopf als FFH Gebiete ausgewiesen und unter besonderen Schutz gestellt worden.

Am 11. 2. 2004 legte Eduard Michael nach 18 Jahren als Rechner und 8 Jahren als Waldvorsteher mit erreichen des 70. Lebensjahres sein Amt nieder. Für diese langjährige Tätigkeit im Interessetenwald wurde er vom 1.Vorsitzenden der Forstbetriebsvereinigung Ringgau, Otto von Boyneburg , mit einer Dankesurkunde des Präsidenten des hessischen Waldbesitzerverbandes ausgezeichnet. Der ehemalige Förster Kohl aus Ulfen überreichte zum Dank ein Präsent der Waldinteressengemeinschaft Ulfen. Zum neuen Waldvorsteher wurde an diesem Abend der Schreinermeister Hermann Iba gewählt.

2005 wird im Tal der Hauptweg fertig ausgebaut und an den Rendaer Weg angeschlossen. Auch auf dem Keudelsberg wird eine Wegebaumaßnahme durchgeführt.

Vorsteher Hermann Iba führt die Einzäunungsmaßnahmen zur Selbstverjüngung des Waldes fort und umzäunt eine Fläche im Sandberg.

Im Rendaer Tal sind die 40 jährigen Fichten, welche erst mit einer Harvester Vollerntemaschine durchforstet wurden, zum Teil vom Borkenkäfer befallen und müssen entfernt werden, auch haben die Stürme des vergangenen Jahres Schäden im Interessentenwald angerichtet.

Unter der Leitung von Waldvorsteher Hermann Iba wurden auch in den letzten Jahren wieder Waldwanderungen vom Buchberg zum Erdmannshain und vom Ottilienberg zum Sandberg unternommen und von der Bevölkerung gut besucht. Aus all diesen Maßnahmen können wir ersehen, dass unter der Leitung der jeweiligen Waldvorsteher viel im und am Wald getan wurde und auch weiterhin getan wird. Der Wald bedankt sich dafür mit Holz bester Qualität und Quantität. Auch können die Waldinteressenten stolz auf „Ihren“ Wald sein. So ist der Ottilienberg als ehemaliger Standort einer Kapelle, welche der heiligen Ottilie geweiht war und nach neuesten Erkenntnissen von urzeitlichen Hügelgräbern, immer eine Wanderung wert.

Wer im Frühjahr den Berg hinaufsteigt der wird überrascht von der Vielfalt der Blumen welche hier oben wachsen. Angefangen vom Seidelbast, den Märzenbechern, den gemeinen Wicken am Waldesrand, blühen die Maiglöckchen, die Türkenbuntlilien, verschiedene Orchideen und noch viele andere Blumen und Gräser in diesem „Blumengarten Gottes.“ Vom März bis in den Juni hinein ist der vordere Teil des Berges ganz vom Bärlauch bedeckt, welcher durch seinen intensiven Knoblauchgeruch auf sich aufmerksam macht.

Aber auch das Rendaer Tal ist einen Besuch wert. Während im zeitigen Frühjahr hier das Schmelzwasser vom Eis und Schnee aus dem Ringau von Grandenborn bis auf die Altefelder Höhe zu Tal rauscht, ist das Flussbett die meiste Zeit des Jahres trocken. Dann kann man auf den Felsplatten und Kiesbänken hinauf wandern und die Schichten des Muschelkalkes bewundern, welche sich in Millionen von Jahren gebildet haben und in welche sich in abermals Millionen von Jahren das „Wilde Wasser“ hinein gefressen hat. Mit etwas Glück findet der Wanderer vielleicht auch noch eine versteinerte Muschel oder die Versteinerungen anderer ehemaliger Meeresbewohner. So ist der Interessentenwald nicht nur ein Holzlieferant, sondern auch ein liebenswertes Stück Heimat, welches es zu erhalten lohnt. Der Interessentenwald kann aber in seiner jetzigen Art und Vielfalt nur erhalten werden, wenn er auch weiterhin im Besitz von Ulfer Bürgern bleibt, welche ihn hegen und pflegen. Dieser Wald hat unseren Vorfahren geholfen hier im Ulfetal zu leben, egal ob als Holzlieferant oder Viehweide. In schweren Zeiten wie zuletzt dem 30 Jährigen Krieg war er Zuflucht und Versteck für die Bewohner von Ulfen. Hoffen wir, dass es auch weiterhin Menschen in Ulfen gibt, welche diesen „unseren Wald“ auch weiterhin lieben und daran arbeiten und vor allen Dingen nicht an „Auswärtige „ verkaufen. Anteile des Interessentenwaldes werden wahrscheinlich auch weiterhin verkauft werden und so den Besitzer wechseln, jedoch ist es erfreulich und wichtig, dass wieder vermehrt Einwohner von Ulfen durch den Kauf von Waldanteilen mit dazu beitragen, dass der Interessentenwald erhalten bleibt.

Beitrag von Eduard Michael